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ob er wache oder träume. Der Sommermorgen brach goldner durch die erfriſchte Schöpfung. Die Nebel zerfloſſen, tauſendfach ſpiegelte ſich die Morgenſonne in den Thauperlen der grünen Wieſen. Die ſtille Luft wehte ſo belebend und erquickend. Alles athmete eine ſolche Heiterkeit und Liebe, daß die kurz vorher ge⸗ gangene Mordſcene wie das wilde Phantaſieſtück eines Fieberkranken erſchien.
„Iſt es denn möglich, Vater im Himmel, frug Ottokar,„daß deine Kinder inmitten deiner pracht⸗ vollen Schöpfung, welche nur deine ewige Liebe ver⸗ kündigt, ſich ſolcher Verbrechen ſchuldig machen können, wie ſo eben eines begangen worden? Du zündeteſt in ihnen deine Himmelsflamme an, die wir Vernunft nennen, und die uns den rechten Pfad erleuchten ſoll; du legteſt Liebe in ihre Bruſt, daß ſie wie Brüder ne⸗ ben einander wandeln ſollen, denn wir ſind ja Alle deine Kinder; und gleichwohl morden ſie ſich wie wilde Thiere; werfen leichtſinnig das Leben von ſich, dieſes edle Geſchenk, das man nur verſpielen, und nie wieder gewinnen kann; und oft wegen eines bloßen Phan⸗ toms, aus einer Leidenſchaft, die uns Vernunftbe⸗ gabte tief unter die Thiere ſtellt. Wenn unſer Leben bedroht wird, und wir zu ſeiner Vertheidigung ge⸗ zwungen ſind, ſelbſt auf die Gefahr hin, dem Gegner das Leben zu nehmen, ſo iſt ein ſolcher Todtſchlag wohl zu entſchuldigen; auch wenn die Ehre von Je⸗ mand dermaßen gebrandmarkt worden, daß ſie nur in dem Blute des einen oder des andern wieder rein ge⸗ waſchen werden kann, ſo mag ein ſolcher Kampf nach den einmal angenommenen und heilig geſprochenen Ge⸗ ſetzen der Ehre ſeine Entſchuldigung finden; aber beide Fälle lagen bei dem heutigen unglückſeligen Kampfe nicht vor.“


