Teil eines Werkes 
Supplemente 1. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 1. Theil (1857)
Entstehung
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und Politur verleugnen, welches ſo oft der Fall iſt, ſobald der Reiche den Aermern ſeine Ueberlegenheit füh⸗ len läßt. Auch liegt die höhere Achtung, welche der Adelige genießt, in der menſchlichen Natur begründet.“

„Strverin, welcher in dergleichen Geſprächen gern die Oppoſition ergriff, wollte dieß nicht zugeben.

„Nur der Reichthum an Herz und Geiſt,“ meinte er,„kann wahren Adel verleihen, nie die bloße Geburt.“

„Was den Reichthum an Herz und Geiſt anbe⸗ langt,, gegenredete Arthur,„ſo widerſpreche ich auch nicht; ich meine nur, daß die Achtung vor dem Ge⸗ burtsadel in der menſchlichen Natur begründet iſt, was bei der Geldariſtoeratie nicht der Fall.“

„Wo dieſe Achtung aus der menſchlichen Natur herkommen ſoll, begreife ein Anderer,“ verſetzte Severin.

„Es bedarf nur eines Beiſpiels,“ fuhr Arthur fort,„noch dazu eines rein bürgerlichen. Wenn z. B. jetzt Jemand aufträte, der erſichtlich nachweiſen könnte, wie er in directer Linie vom Doetor Luther oder irgend einem andern großen Bürger vergangener Jahrhunderte abſtamme, würden wir nicht einen ſol⸗ chen mit größerem Intereſſe betrachten und ſo er unſ⸗ rer Achtung überhaupt werth, mit größerer Achtung begegnen als irgend einem andern Sterblichen?“

„In dieſem Punkte,“ erwiderte Ottokar,„muß ich Ihnen Recht geben, und ich glaube auch, es liegt in ſolcher hiſtoriſchen Erinnerung ein Grund, wenn auch ein ſehr ſchwacher, daß der Adelige von den Bürgerlichen mehr honorirt wird. Es hat etwas Im⸗ ponirendes, wenn Jemand von den Großthaten erzäh⸗ len kann, die ſein Ur⸗ und ſein Ur⸗Urgroßvater, und noch weiter aufwärts, vollbracht haben; iſt jedoch von den hochgebornen Ahnen nichts Erbauliches zu be⸗ richten, ſo fällt dieſer Grund hinweg und ich begreife