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„Guido?“ frug Nicodemus und ein unheimlicher Strahl der Freude zuckte über das ſteinerne Geſicht, „er, der Einzige, der mich verſteht? Ha, ſtünde der Tag der Flammen ſo nahe!“
Dann erhob er ſich von ſeinem Sitze, ſtreckte beide geballte Fäuſte gegen das Schloß, das nur noch wie eine dunkle Steinmaſſe in der Dämmerung daher ſchaute, ſtieß einen furchtbaren Fluch aus, und ohne Ottokar's Lebewohl zu erwiedern, kehrte er in ſeine Hütte zurück.
Ein Schauer durchrieſelte den jungen Mann. Die Bruſt voll ſchreckhafter Ahnungen, verließ er den un⸗ heimlichen Ort und wanderte in den immer tiefer ſchat⸗ tenden Sommerabende nach dem Schloſſe zurück.
Drittes Rapitel.
Unpeweglich und ſtarr wie ein Steinbild ſaß in alter⸗ thümlicher verſchollener Tracht auf ihrem Rollſtuhle die achtzigjährige Gräfin Roswitha von Hohenſtein. Trotz der überall herabgelaſſenen Vorhänge, welche keinen Sonnenblick, kein Stück blauen Himmel in das Ge⸗ mach hereinließen, bedeckte ein grüner Augenſchirm den obern Theil des Geſichts Die abgezehrten mit Per⸗ lenbändern reich geſchmückten Hände ruhten im Schooß; nur von Zeit zu Zeit bewegten ſich die Lippen der Gräfin, jedoch ohne daß man einen Laut vernommen hätte. Noch immer zeigte die gerade, etiquettengemäße Haltung die einſtige ſtrenggebietende Frau.
Mit der Kleidung der Gräſin ſtimmten auch die Decorirung und das Meublement des Zimmers überein.


