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„Bin ich nicht,“ fuhr Nicodemus aufgeregter fort, „als Margarethe an jenem Abende ausblieb und man mir ſchon damals das Märchen von den Zigeunern aufbinden wollte, wie wahnſinnig acht Tage und acht Nächte lang meilenweit mit meinem Hammer in den Wäldern umhergeirrt, ohne nur einen jener braunen Geſellen zu Geſicht zu bekommen? Nein, junger Herr, ich weiß, was ich weiß— gemordet worden iſt mein Kind;— ober ſeinen Leichnam wenigſtens hätte man mir laſſen ſollen, daß ich ihn chriſtlich beſtatten konnte; daß mir wenigſtens ein Grab blieb, wo ich weinen konnte; ſo habe ich nichts von ihr als jenes Tiſchchen, das ſie gedeckt hatte an jenem Abende vor fünfundzwanzig Jahren, wie Ihr's noch heute ſehen könnt, drinnen in der Wohnſtube neben der Werkſtatt.“
„Ach,“ ſprach er nach einer Pauſe in milderem Tone,„hätte ich ein Grab und ſie darunter gewufßt, da konnt' ich mich ausweinen in den langen Jahren; ich ſchliefe da vielleicht neben ihr; ſo aber habe ich nicht wieder weinen können ſeit jenem Sommerabende und ununterbrochen krampft es hier unter den Rippen.“
Die Rede des Alten ward immer unheimlicher. Er fuhr fort:
„Und ſitz' ich des Abends unter dem Lindenbaume und ſchaue hinüber nach dem grauen Schloſſe, wenn es im Abendſchein ſchimmert; ſo wird mir klar, daß ein Tag kommt, wo ich Rache nehme an den finſtern Mauern, die das Sterberöcheln meines Kindes ver⸗ nommen— dann wird mir Ruhe werden.“
„Ihr ſeid ſehr unglücklich und ſehr krank,“ ſprach Ottokar in verſöhnendem Tone;„bittet zu Gott, daß er Euch Troſt und Ruhe ſende. Jetzt lebt wohl, ich verlaſſe Hohenſtein auf längere Zeit und reiſe zu Guido,
mit welchem ich vielleicht recht bald zurückkehre. Lebet wohl!“


