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„Armer, alter Mann,“ ſprach Ottokar mit be⸗ wegter Stimme,„und wie viel Jahre find es, daß Eure Margarethe nicht wiedergekehrt iſt?“
„Es ſind am verwichenen Sonnabend fünfund⸗ zwanzig Jahre geweſen,“ antwortete der Hufſchmied in dumpfem Tone,„der alte Sebaldus lebte damals noch, der Leibmedicus der gnädigen Frau Gräfin. Dieſe litt an der Gicht; da verordnete der Doctor ein Bad in reinem Jungfrauenblut und ſo hat man wir mein Kind erſchlagen und ſich in ſeinem Blute gebadet.“
„Pfui Nicodemus,“ ſtrafte der junge Mann,„wie mögt Ihr ſolch abgeſchmacktem Gerede Glauben bei⸗ meſſen und Euch dadurch das Leben noch mehr ver⸗ bittern. Euer Schmerz um Margarethen iſt gewiß gerecht; indeß wie geheimnißvoll das Verſchwinden des Mädchens erſcheint, ſo kann doch von einer Greuel⸗ that, die als Mährchen in irgend einer Spinnſtube erfunden iſt, nicht die Rede ſein. Ich ſelbſt, da ich herangewachſen, und auch mir die wunderbare Geſchichte Eurer Tochter zu Ohren kam, habe mit vieler Mühe in all' den Urkunden nachgeforſcht, und es bleibt gar kein Zweifel, daß die arme Margarethe ein Raub der Zigeuner, die ſich damals auch in der Nähe des Schloſſes umhertrieben, geworden iſt.“
„Urkunden,“ lachte höhniſch der Hufſchmied,„hat nicht der hektiſche Gregor, der Gerichtsverwalter, der bald darauf zur Strafe des Himmels den Hals brach, die Unterſuchungsacten geführt? hat nicht Gottes Straf⸗ gericht die Miſſethat deutlich genug an den Tag ge⸗ bracht. Der Doctor, welcher die Unthat verübte, ward in ſeinem eignen Laboratorium unter Feuer und Flam⸗ men vom Teufel geholt und die Gräfin, der das Blut⸗ bad zum Heile gereichen ſollte, leidet ſeit jener Zeit an ihrem böſen Tage.“
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