Teil eines Werkes 
Supplemente 1. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 1. Theil (1857)
Entstehung
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vollbracht war, ſah man ihn unter der alten Linde ſitzen und unverwandt hinüber nach den Mauern des Hohenſteins ſchauen. Ein verjährter Ausdruck von Schmerz und Zorn hatte ſich dann über die harten Geſichtszüge des alten Mannes verbreitet und dem Munde entfloſſen gar ſeltſame Reden.

Bei den Dorfbewohnern war es daher ſeit Jahren eine bekannte Sache, daß es mit dem alten Huf⸗ ſchmiede nicht ganz richtig ſei; nur einige der älteſten Bauern, die mit ihm in gleichem Alter ſtanden, ſchüt⸗ telten den Kopf, und meinten, der alte Nicodemus möge wohl ſeine guten Gründe haben, warum er ſich des Abends unter die Linde ſetze und den Mauern Hohenſteins ſo unfreundliche Blicke zuwerfe.

Das Erſcheinen Ottokar's im Dorfe, welches in der Regel nur Freude unter den Bewohnern hervor⸗ brachte, war diesmal von allgemeiner Trauer begleitet. Kaum hatte ſich die Nachricht von dem Verreiſen des jungen gnädigen Herrn im Dorfe verbreitet, als ſich die Landleute in Haufen um ihn drängten und in laute Klagen ausbrachen. Ottokar war nämlich der Einzige geweſen, welcher die von der Lehnsherrlichkeit Bedrückten, ſo wohl gegen die finſtere Strenge ſeines Vaters, wie gegen die Rachſucht des eben ſo gefürch⸗ teten wie gehaßten Gerichtsdirectors, in Schutz genom⸗ men. Wie oft hatte er heimlicherweiſe die harten Bußen aus eigener Börſe gezahlt oder doch gemildert. Der junge Mann ward daher von den armen Land⸗ leuten wie ein Weſen höherer Art verehrt und ihr Schmerz bei der Kunde von ſeiner Abreiſe war unbeſchreiblich.

Ottokar tröſtete und verſprach, daß er ſo bald als möglich zurücktehren, und wahrſcheinlich auch den Guido mitbringen werde. Die Nachricht von Guido's Rückkehr klang den Bauern äußerſt angenehm; denn