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Veronika erwiederte kein Wort, aber ihr Herz pochte lauter. „Ich werde morgen Hohenſtein verlaſſen.“
Da blieb das Mädchen ſtehen; ihr Blick haftete
halb verwundert, halb angſtvoll auf dem Jüngling; Rafaele und die Schlangen waren vergeſſen.
„Sie ſcherzen, Ottokar,“ ſprach ſie kaum hörbar.
„Ich ſcherzen?“ frug der Jüngling,„wie ſehr ver⸗ kennt mich Veronika.“
Nach einer Pauſe fuhr er in ſanftem, herzgewin⸗ nendem Tone fort:
„Ich gehe zu Guido, hat mir Veronika nichts für den Bruder aufzutragen?“
Das Mädchen ahnte jetzt, daß mit Guido irgend etwas vorgefallen ſein mußte; das Blut wich aus ih⸗ ren Wangen, ſie ſtand zitternd und ſprachlos; eine Thräne trat in ihr Auge.
Ottokar erkannte jetzt die unendliche Liebe des ſchönen Mädchens für den Bruder; er fühlte ſich ſelbſt geheiligt dadurch; ſeine eigne Liebe zu Veronika wich einem höhern ſchönern Gefühle, und ſo frug er nochmals:
„Was hat mir Veronika für den glücklichen Bru⸗ der aufzutragen?“
Da faßte das himmelſchöne Kind mit ihren beiden Händchen Ottokar's Rechte, preßte dieſe innig; die ſchönen thränenfeuchten Augen blickten flehend zu dem Jünglinge auf.
„Ottokar,“ rief ſie in unbeſchreibbarem Tone,„ſei Du ſein Engel!“
Und gleichſam erſchrocken, das heiligſte Geheimniß ihres Herzens verrathen zu haben, eilte ſie, ohne ein Wort weiter zu ſprechen, den Laubgang entlang.
„Sei Du ſein Engel!“ wiederholte wunderbar er⸗
griffen der Jüngling, indem er dem ſchönen Mädchen


