Teil eines Werkes 
Supplemente 1. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 1. Theil (1857)
Entstehung
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ſonne gelockt, bis zur Oberfläche des Teiches empor und verſchwand eben ſo ſchnell wieder, nur ſilberne Kreiſe zurücklaſſend, die immer größer werdend, ſich bis zum Ufer verliefen. Am jenſeitigen Ufer weidete ein Reh in ungeſtörter Ruhe.

Ottokar, in dem Anſchauen des tiefen Friedenbil⸗ des verſunken, hatte nicht bemerkt, wie Veronika, die von der Schweſter, welche nach Erdbeeren tiefer in den Wald gegangen, getrennt worden, ebenfalls an den Teich getreten war und ihre ſchönen Augen mit Wohl⸗ gefallen über die blaue Fläche dahin ſchweifen ließ. Als ſie den Jüngling erblickte, wollte ſie ſich, ohne ihn zu ſtören, leiſe zurückziehen, doch die ſpiegelhelle Waſ⸗ ſerfläche hatte ihre Gegenwart verrathen. Ottokar ſprang ſogleich auf.

Veronika, rief er im Tone ſanften Vorwurfs, warum fliehen Sie?

Das Mädchen blieb einen Augenblick ſtehen, dann kehrte es langſamen Schrittes zurück.

Einen Dichter, ſprach Veronika mit holdem Lächeln,wenn er im Anſchauen von Gottes Schöpfung verſunken, ſoll man nicht ſtören.

Sie ſind ſehr gütig, erwiederte der Jüngling, mich mit dem Namen eines Dichters zu beehren; leider muß ich auf dieſes ſchöne Prädikat verzichten; ein Paar Reime kunſtlos zuſammen zu ſtellen, macht noch keinen Dichter.

Habe ich doch nicht blos ſchöne Reime von Ih⸗ nen geleſen, ſprach das Mädchen.

Einfache Beſchreibungen der Natur, meinte Ottokar,die Ihnen eben ſo gut und wahrſcheinlich beſſer gelingen würden.

Wir wollen es auf keine Probe ankommen laſ⸗ ſen, lächelte Veronika.