Ottokar ſchüttelte ſchweigend das Haupt; doch brach er das Geſpräch ab und frug, wann er ſich reiſe⸗ fertig halten ſollte?
„Je eher, je lieber,“ antwortete der Graf;„dieſe Angelegenheit duldet keinen Verzug; der Himmel ver⸗ hüte, daß Du nicht zu ſpät kommſt. Du wirſt mor⸗ gen bereits abreiſen. Die erforderlichen Päſſe findeſt Du in der Reſidenz, wohin ich Dir Briefe mitgebe.“
Die Beiden gingen noch eine geraume Zeit in den Gängen des Schloßgartens auf und ab. Der Graf ertheilte ſeinem Sohne noch verſchiedene Verhaltungs⸗ regeln in Betreff der in Paris zu befolgenden Hand⸗ lungsweiſe; als ſich eilig ein Diener nahte und erſteren zur Gräfin Mutter berief.
„Noch èins,“ ſprach der e ehe er dem Rufe folgte,„ich glaube, es wird v tem Erfolge ſein, wenn Du Guido das Bild der trauernden Veronifa vor Augen führſt. Er liebt das Mädchen, und ich habe gegen eine dereinſtige Verbindung nie eiwen⸗ den, die freilich erſt nach dem Tode der utter erfol⸗ gen kann. Die aufgefriſchte Erinner an Vero⸗ nika, dürfte dem aufgeregten Jüngliüge die Heimath vielleicht recht wünſchenswerth machen.
Der Graf entfernte ſich. Ottokar ſtand lange in Nachdenken verſunken und ſchaute, wie träumend, über die ſchöne Landſchaft.
„Alſo nach Paris,“ ſprach er nach langer Pauſe; „aus meinen ſtillen Blumen, aus dieſem friedenvollen Paradieſe nach der brauſenden Weltſtadt!— O, mein Jean Paul, da werden wir wohl lange von einander Abſchied nehmen müſſen.“
Bei dieſen Worten fielen die Blick des Jünglings auf die Häuſer und Gärten des Dorfes Hohenſtein, die in einiger Entfernung unten im Thale lagen. Er


