auf ihre Schlöſſer bauten, da wäre man doch ſicher. Großmutter,“ ſetzte ſie geheimnißvoll hinzu,„ſoll wie⸗ der ihren böſen Tag bekommen haben. Daran iſt gewiß nur das Gewitter Schuld.“
Indeſſen war auch Veronika herbei gekommen. Das Mädchen war wirklich von wunderbarer Schönheit. Aus dem lieben Antlitz ſprach eine ſo ſelige Harmonie, daß dem Beſchauer innig wohl wurde; nur daß eine leiſe Schwermuth die blumenhaften Augen umſchattet hielt.
„Schon wieder trübe, Veroni,“ ſchalt Rafaele mit ſchweſterlicher Zärtlichkeit,„gleich ſei fröhlich, oder ich bin recht bös.“
„Ich bin ja heiter,“ erwiederte Veronika mild⸗ lächelnd, und zu dem Jünglinge gewendet ſprach ſie auf das Buch deutend:„Wir haben Sie geſtört, Ot⸗ tokar.“
„Eine ſo angenehme Störung,“ erwiederte dieſer, „kann man ſich gern gefallen laſſen und ſtünde man bei der intereſſanteſten Lectüre.“
„Was ſteht denn in dem Buche?“ frug Rafaele.
„Es iſt der Hesperus von unſerm Jean Paul,“ antwortete der Jüngling.
„Hesperus,“ fuhr die Fragerin fort,„heißt das nicht der Abendſtern? Das muß recht hübſch ſein, leſen Sie uns doch Etwas vor.“ 8
„Ich bezweifle,“ ſprach Ottokar,„ob ſich dieſer Dichter bei ſeiner oft ſonderbaren Schreibweiſe zum Vorleſen eignet; doch enthält das Buch eine Fülle ſchöner Stellen, die namentlich die Frauen anſprechen dürften.“
„Das iſt ſchön,“ rief Rafaele,„da theilen Sie uns einige mit. Ich habe einer Freundin in's Stamm⸗ buch zu ſchreiben und mir vergebens den Kopf zer⸗ brochen.“


