Teil eines Werkes 
20. Band, Der neue Cäsar : ein Seitenstück zu "1813" und "Elba und Waterloo" : 1. Band (1854)
Entstehung
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Sie lebt dermalen in Paris, lautete die Ant⸗

wort,und da ſie mit dem General Junot befreun⸗

det, ward ſie von dieſem zum Balle eingeladen.

Armand, welcher durch dieſe Unterhaltung, die er Wort für Wort vernommen hatte, abermals zwei⸗ felhaft geworden war, ob er ſich nicht getäuſcht habe, beſchaute ſich abermals die Dame, von welcher die Rede war; aber wie er ſie auch fixirte, es blieb Frau von Poitiers, wenigſtens jene kühne Abenteuerin, deren Züge er in jener Nacht, wo ſie vom Kamin⸗ feuer erhellt wurden, deutlich genug in's Auge ge⸗ faßt hatte.

Vergebens zerarbeitete er ſich den Kopf, auf wel⸗ che Weiſe ſie mit dem General ſo bekannt geworden ſein könne. Es unterlag ihm keinen Zweifel, daß ſie Junot, welcher für Frauenſchönheit nicht unempfind⸗ lich war, für ihre Zwecke zu gewinnen ſuche, obſchon an dieſem ergebenen Freunde des Kaiſers alle ihre Zauberkunſt verlorne Mühe war.

Indeß je länger Armand über dieſe räthſelhafte Angelegenheit nachdachte, deſto mehr Licht erhielt er darüber. So entſann er ſich, daß jener Fournier auf Junot's Empfehlung um eine Audienz bei Na⸗ poleon nachgeſucht habe. Ferner wohnte Floren⸗ tine zu Bellevne, das ihm als Hauptquartier der royaliſtiſchen Partei geſchildert worden. Es war alſo entſchieden, daß dieſer Engel einer royaliſtiſchen Fa⸗ milie angehöre, und zwar einer ſolchen, die gegen die gegenwärtige Regierung Frankreichs intriguire. Er bebte vor der Gefahr, in welcher ſich dieſes arme Kind, das gewiß aller Politik fremd war, befand; und gleichwohl lag es in ſeiner Macht, Tante und Nichte in's Unglück zu ſtürzen; ja ſelbſt ſeine Pflicht forderte ihn dazu auf.

Stolle, ſämmtl. Schriften. XX. 14