205
mich doch der Kaiſer in meiner Fenſtervertiefung ru⸗ hig ſtehen laſſen, wo ich fern von dieſem betäuben⸗ den Leben und Treiben in ſtiller Abgeſchiedenheit zum Abendſtern aufſchaute, der in freundlichem Glanze über England ſtand, ich wäre dann all' dieſer Qual und dieſer Unruhe überhoben geweſen.
„Und gleichwohl,“ ſprach er nach einigem Nach⸗ denken,„iſt es vielleicht ein Glück, wenn ich zur Ent⸗ deckung dieſer gefährlichen Feindin beitrage. Wer weiß, wen ſie bereits wieder mit ihren Netzen um⸗ ſpinnt, um ihm den Giftbecher zu reichen. Das Le⸗ ben des Kaiſers, das Glück des Vaterlandes ſteht auf dem Spiele. Iſt ſie nicht fanatiſch genug, wenn ſich kein Opfer mehr findet, mit Aufopferung ihres eigenen Lebens die unheilvolle That zu vollbringen? Einer Dame, wenn ſie darum bittet, dürfte Napo⸗ leon kaum eine Audienz abſchlagen. Was aber iſt das Leben einer Schwärmerin gegen das Leben eines Mannes, wie noch keiner über die Erde gegangen⸗ der berufen iſt, über Europa und die civiliſirte Welt eine neue Aurora herauf zu führen?“
Armand ſchauderte bei dem Gedanken, daß dieſe glühende Anhängerin der Bourbonen vielleicht erſchie⸗ nen ſei, um perſönlic das Verbrechen auszuführen, das den von ihr Geſanbten zeither nicht gelungen war. Er beſchloß ſofort, dem Marſchall Soult Anzeige davon zu machen, auf die Gefahr hin, ob er ſich in der Perſon getäuſcht habe oder nicht.
Schon wollte er ſich auf den Weg machen, als er nachdenkend ſtehen blieb. Es fragte ſich nämlich, wie er Frau von Poitiers dem Marſchall kenntlich machen ſollte, da er ſie ihm nicht perſönlich zeigen konnte. Die wenigen Augenblicke, in welchen er ſie heute Abend hatte vorbeitanzen ſehen, waren nicht


