Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Der Bengel wird mir die gute Marie auf⸗ wecken, ſprach ich zu mir,wenn ich ihn nur auf eine geräuſchloſe Art fortpracticiren könnte. So wie ich mich jedoch nahte, ſuchte er ſogleich das Weite. Dies hätte ſein mögen, aber auch Marie ahmte ihm hierin nach und ich durfte mich nicht von der Stelle rühren.

Das wird eine liebenswürdige Geſchichte wer⸗ den, ſo die Beiden zuſammen rennen. Indeß be⸗ kümmerte ſich der Humoriſt um ſeine Collegin im Geringſten nicht. Er hatte ſoeben die Mütze des Proviantverwalters gefunden und ſie aufgeſetzt.

Wenn er glaubt, waren meine Gedanken,durch dieſe Decoration ſich bei Marien zu inſinuiren, ſo irrt er ſich, wiewohl ich nicht weiß, wie der Geſchmack einer Nachtwandlerin beſchaffen iſt.

Daß indeß der Candidat die Nachtmütze nicht aus Eitelkeit aufgeſetzt, davon überzeugte mich als⸗ bald die Promenade, die er nach dem Hintergrunde des Gartens antrat.

Hier ſtand ein uralter, himmelhoher Birnbaum mit gewaltigen weitragenden Aeſten. Der Theolog kletterte mit unglaublicher Virtuoſität bis zur ehr⸗

würdigen Krone, die, hoch über dem niedern Erden⸗

leben, den Segen wie den Zorn des Himmels alle⸗ mal zuerſt bekam. Die wunderſüßen Früchte, die ſie alljährlich trug, mußte entweder der Sturm herabſchleu⸗ dern oder ſie fielen ſelbſt herab. Von Menſchenhand ließ ſie ſich aber nichts rauben, wenn man nicht die Luſt verſpürte, jede Birne mit einem unvermeidlichen Hals⸗ bruche zu honoriren.

Seit langen Zeiten aber ragte aus dem greiſen Haupte ein dürrer kahler Aſt wie ein Rieſenhorn hervor. Krähen, Elſtern und Früblingsſänger ſaßen gern dort oben wegen der Ausſicht.