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Ich dankte Gott, als die halsbrechende Promenade glücklich zu Ende war; aber das erlebte Abenteuer ließ mich nun an keinen Schlaf denken. Noch immer mußte ich befürchten, daß die Wanderung noch ein⸗ mal beginnen werde und blickte unverwandt nach dem Frontonfenſter. Da knarrte die Gartenthür und die Nachtwandlerin kam den Gang daher.
Sollt' ich ihr entgegen gehen, ſie umfangen, auf⸗ wecken und auf ihr Zimmer bringen? Aber ſo wie ich Marien kannte, konnte ſie vor Schreck augenblick⸗ lich den Tod davon tragen. Ich ſchlüpfte alſo hinter eine dichte Taxushecke. Das Mädchen nahte jetzt, blieb ſtehen; ein ſeliger Liebreiz umfloß die ſchönen, blaſſen Züge. Sie lächelte, ihr Mund ſchien zu fra⸗ gen, warum verbirgſt Du Dich? Dann entſchwebte ſie nach den Beeten, wo in mannigfacher Pracht die Geſchlechter der Tulpen blühten. Kein Blümchen oder Blättchen ward von ihren Füßchen geknickt, ſo vorſichtig wandelte ſie zwiſchen den Glutenbechern, wiewohl ſie nicht ſelten die Gänge verließ und mitten auf den Beeten wandelte. Sie ſuchte lange unter den Blumen und brach ſich endlich eine ſchneeweiße Tulpe.
Während Marie noch mit dieſer Anthologie be⸗ ſchäftigt war, kam zu meinem nicht geringen Erſtau⸗ nen ein zweiter Nachtwandler mit ziemlich ſchnellen Schritten auf der Gartenmauer daher. Ich erkannte in ihm bald den Sohn des Nachbars, den Candida⸗ ten der Theologie. Im Leben ein ſtiller, kränklicher Menſch; als Nachtwandler ein wahrer Humvriſt. Ich konnte dieſes neuentdeckte Talent nicht genug an ihm bewundern. Nachdem er auf dem Dache des Gartenpavillons die außerordentlichſten Kunſtſtücke zum Beſten gegeben, begann er ſich im Garten ſelbſt herumzutummeln.


