Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Nachtviolen und von den Lilienbeeten daher klang ein unnennbar ſüßes Glockenläuten. Jetzt kamen ſie zum letzten Beete des Gartens. Dort in einſamer Wun⸗ derpracht blühte die Roſe. Die Schweſtern ſchlichen leiſe näher und ein bewunderndes Ah! entſtahl ſich ihrer Lilienbruſt.

Die Strahlen des Mondes hüpften und ſchlän⸗ gelten ſich jetzt wie ein Silberbächlein durch Blätter und Blüthen und riefen nach der Roſe. Jetzt fanden die Glücklichen dieſe. Lächelnd und koſend umſpiel⸗ ten und küßten ſie die träumende Blume. Da er⸗ wachte dieſe und erhob das voll Gold und Morgenroth getränkte Haupt, lächelnd und grüßend. Die Strah⸗ ien ſtahlen ſich behend bis tief in die goldſammetne Herberge, wiegten ſich lächelnd zwiſchen den roſaſeide⸗ nen Bettchen und ſangen ein wunderliebliches Schlum⸗ merlied. Da träumte alſobald die Roſe wieder, aber es mochte ein ſchöner Traum ſein, denn ſie ſang leiſe:

Ich ſtarb als Veilchen einſt mit Luſt An eines ſüßen Mädchens Bruſt,

Und als der neue Frühling kam,

Ein Glockenkleidchen ich bekam.

So bin ich worden Röſelein.

Ein Traum ſingt mir das Märchen ein:

Die Roſe wird einſt Mädchen ſein,

Das Mädchen wird einſt Engel ſein.

Was phantaſirt die wieder einmal, werthgeſchätz⸗ ter Herr Onkel? fragte der Maulwurf die Ratte, mit welcher er Arm in Arm daher promenirte.

Unklare Ideen, erwiederte der Onkel,ſchiefe Begriffe. Befaſſen wir uns weiter nicht damit, Herr Neveu.

Begreif s einer! Simuliren iſt meine Sache nicht. Ihr habt ſtndirt, Herr Onkel.