Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Frange in die Jahre kommt, wird ſie auch ver⸗ nünftiger.“

Ich fand dieſe Worte ſo verſtändig, daß ich nicht umhin konnte, dem Sprecher Recht zu geben. Der Carliſt ward hierdurch vertrauensvoller, ſchüttelte mir verſtändnißinnig die Hand, lächelte ſchalkhaft und ſprach:„Mein Herr, verſtellen Sie ſich nur nicht, ich ſehe es Ihnen ja deutlich an, daß Sie zu den Un⸗ ſern gehören—“

„Was ſehen Sie mir an?!“

„Daß Sie mit ein auserwähltes Werkzeug des Herrn ſind, die Rechte unſeres guten Henri wieder herzuſtellen—“

„Ich ein Werkzeug des Herrn?!“—

„Daß Sie, wie alle gute Franzoſen, gerechtes Aergerniß an dem Heidengräuel nehmen, das dieſer Louis Philipp ſeit fünf Jahren verführt.“

Jetzt ward mir's außer'm Spaße, ich wollte dem Carliſten den Irrthum aufklären, in dem er ſich be⸗ finde, aber er hielt mir den Mund z Pſi ß wir verſtehen uns,“ ſprach er und reichte wir ein Glas Bordeaux.

Ich dankte verbindlichſt— er ließ nicht ab; ich deprecirte— vergebens, und um den Zudringlichen nur los zu werden und fort zu kommen, klangen un⸗ ſere Gläſer leis an einander.

„Vive Henri einq!“ ſprach der Carliſt.

„Ich habe nichts dagegen!“ verſetzte ich ärger⸗ lich auf Deutſch. Der Carliſt hielt dies für eine kräftige Betheuerung und ſchüttelte mir innigſt die Hand.

Mir ward kalt und heiß, denn ſo eben bemerkte ich, wie mein voriger Republikaner mich mit funkeln⸗ den Blicken fipirte.