ner mit ſeiner Lorgnette die Nationalgarde muſterte. „Gevatter Schneider und Handſchuhmacher! Darum konnte der gute Charles dixe nichts Beſſeres thun, als das abgeſchmackte Inſtitut aufheben.“
Das war alſo ein Carliſt.— Ich beſchaute mir ihn. Er trug einen blauen Frack, auf welchen das Ludwigskreuz geheftet war, die Haare etwas fri⸗ ſirt, Schuh und Strümpfe, und duftete nach eau de mille fleurs.
Allmälig ward es voller in den Gaſtſtuben. Ich konnte aus der Haltung und den Geſprächen ſehr bald die Republikaner von den Carliſten unterſcheiden. Wie feindlich ſich dieſe beiden Parteien auch in ihren Grundſätzen entgegen ſtanden, ſo gewährte doch der Haß gegen Louis Philipp und ſeine Miniſter nebſt der franzöſiſchen Höflichkeit und Urbanität, die ſich nie verleugnet, ein ſo verſöhnendes Medium, daß der Uneingeweihte die ganze Geſellſchaft für lauter gute Freunde und Gleichgeſinnte hätte halten können.
Ein Republikaner von etwas martialiſchem An⸗ ſehen, der weit lauter und energiſcher gegen Louis Philipp declamirte als alle übrige, und mit dem Perſonale der Gäſte ziemlich vertraut ſchien, faßte mich in's Ange, ſchien in mir eine neue republika⸗ niſche Eroberung zu erblicken und nahm alsbald an meiner Seite Platz. Der Wein hatte mich etwas beredt gemacht und wir wurden recht vertraut.
Mein Republikaner begann nun eine republika⸗ niſche Vorleſung. Er war ſo durchdrungen von den Vorzügen der Republik, vertheidigte mit ſolchem Eifer die Männer von 93, daß mir für den guten Lud⸗ wig Philipp ordentlich angſt und bange ward.
„Ja!“ rief er und ſtampfte das Weinglas krampf⸗ haft auf die Tafel, daß das edle Naß weit umher


