Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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einer Gerichtsperſon geöffnet. Zu oberſt lag ein Brief mit einem Reichsthaler beſchwert. Das Innere der Kiſte aber enthielt einen Schatz von über zehntauſend Ducaten, und war außerdem angefüllt mit den koſt⸗ barſten Stoffen des Morgenlandes. Der Brief aber lautete wie folgt:

„Edler Mann!

„Als Sie mir vor länger denn zehn Jahren an einem Sonntag Vormittage im Dorfe N. als armen Handwerksburſchen beikommenden Reichsthaler ſchenk⸗ ten, ahneten Sie nicht, daß Sie mich dadurch der⸗ einſt zum reichen Manne machen würden. Gott ſei Dank, ich brauchte die Liebesgabe damals nicht an⸗ zureißen; ich verwahrte ſie ſorgſamſt, um ſie Ihnen dereinſt wo möglich mit Intereſſen zurückzahlen zu können, wie ich gelobt hatte. Aber bereits nach drei Tagen befand ſich das Geldſtück nicht mehr in meiner Hand. Ich gelangte an einem ſchönen Maiabend an einen Fluß, wo ich überſetzen wollte; indeß war es dem Fährmann bereits zu ſpät und ich ſollte mich bis zum nächſten Morgen gedulden. Mir blieb nichts übrig, als mich in das hohe Ufergras zu ſtrecken und die milde Frühlingsnacht unter freiem Himmel zu verbringen. Kaum war ich etwas eingeſchlummert, als ſich plötzlich Fußtritte nahten und in der Dun⸗ kelheit eine Geſtalt ſichtbar wurde, welche nach der in der Nähe befindlichen Fiſcherhütte eilte und den Fährmann aus dem Schlafe weckte. Ob der nächtli⸗ chen Erſcheinung aufmerkſam gemacht, lauſchte ich mit geſpanntem Ohre und vernahm, wie der angelangte Fremdling den Fährmann fußfällig und unter ver⸗ zweiflungsvollen Beſchwörungen um die Ueberfahrt flehte. Aber der phlegmatiſche Fährmann verlangte