Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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aber quälte, daß ich dem armen Menſchen eine Gabe reichen möchte; ich ſchaute die blutenden Füße des Dahingeſunkenen, und zu welchen Unüberlegtheiten läßt ſich ſelbſt der Kaufmann hinreißen, wenn er zu ſchwach iſt, ſeinem Herzen zu ſehr Gehör zu geben, genug, ich gab meinem Sohne ein Thalerſtück, wel⸗ ches er freudig dem lahmen Manne überbrachte. Ich war bereits einige Schritte voraus, als ich mich be⸗ ſann, daß man eine ſo bedeutende Gabe nie ganz ohne alle Garantie aus der Hand geben ſolle. Dem⸗ nach blieb ich ſtehen und rief dem freudig überraſchten Burſchen zu:„Wenn Er ein ehrlicher Menſch iſt, ſo zahlt er mir den Thaler einſt zurück und zwar mit guten Intereſſen; hört Er das, mit guten Intereſ⸗ ſen; ich heiße van der Weſten und meine Firma iſt weit und breit hierorts bekannt.“ Der junge Burſche hob betheuernd ſeine Rechte empor und gelobte hoch und theuer, das Geſchenk einſt wieder zu vergelten. „Ich ging lachend weiter, indem ich bei mir dachte, mit dem Wiedergeben wird es wohl ſeine Zeit ha⸗ ben. Und es hat ſeine Zeit gehabt. Der Herr Tiſchler hat im Leben nie wieder Etwas von ſich hö⸗ ren laſſen. Wenn ich den Thaler nebſt Zinſen in dieſen letzten Tagen gehabt hätte, ſo würde ich mir eine Flaſche Wein dafür angekauft haben. Sie ſehen alſo, mein Herr Paſtor, daß mir dieſe einzige gute That, die mir im Gedächtniß geblieben iſt, ebenfalls keine Roſen gebracht hat, ganz gleich den böſen Thaten, auf deren ich mich in Menge zu beſinnen weiß.“ Der Geiſtliche vernahm mit tiefer Betrübniß, bis zu welcher ſittlichen Ohnmacht dieſer ſonſt ſo gebil⸗ dete Mann geſunken war. Er bemühte ſich aus gan⸗ zem Herzen, dem Unglücklichen liebevollere Begriffe von einer Vorſehung, einem liebevollen, himmliſchen