Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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und hoffte bis an ſeinen Tod, das Verlorne werde zurückkehren. Darum hat er auch im Teſtamente mei⸗ nen Bruder reichlich bedacht.“

Ein unwillkürlicher Schauer erfaßte hier den Er⸗ zähler.

„Uebergehen wir jene Tage,“ ſprach er,„mein erſtes und heiligſtes Geſchäft ſei dafür, daß ich die Hälfte meiner Güter, ganz wie es das Teſtament be⸗ ſagt, an meinen Bruder abtrete. Wir haben Beide genug und wollen hinfort in Frieden und Eintracht mit einander leben. Vielleicht daß es mir gelingt, durch mein künftiges Leben zu zeigen, daß ich der Gnade des Himmels nicht ganz unwerth bin.“

Cornelius hatte mit gefalteten Händen der wun⸗ derbaren Rede des Grafen zugehört. Er pries Gott, den liebenden Vater, der das Herz des Sünders er⸗ weicht und ihm den Weg des Heils gezeigt hatte.

Der Graf hielt Wort. Was er gelobt in jenen verhängnißvollen Augenblicken ſeines Lebens, er hat es gehalten bis an ſeinen Tod. Von Stund' an ward er ein andrer Menſch. Nachdem Alban mündig geworden, übernahm er die Verwaltung des ihm zu⸗ gefallnen Theils der gräflichen Beſitzungen. In Fried' und Freundſchaft lebten die beiden Brüder beiſammen. Bald erkannten die Unterthanen der Herrſchaft Fal⸗ kenſtein, daß ein Geiſt des Friedens und der Milde über ihnen walte. Mit größrer Luſt gingen ſie daher auch ihrer Berufsarbeit nach und Alles gewann ein freundlicheres Ausſehen. Nach wenigen Jahren glich die Grafſchaft Falkenſtein, die früher allerorts nur einen düſtern Anblick gewährte, einem kleinen Paradieſe.