Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Wieder ſtand eine fürchterliche Nacht bevor. Denn waren die Tage ſchrecklich, ſo waren es die Nächte noch weit mehr. Am Tage unterſtützten wenigſtens die belebenden Strahlen der Sonne den ſchlafloſen Zuſtand.

Immer öfterer ſah ſich der mit der glühenden Zange bewaffnete Diener genöthigt, ſeinen fürchter⸗ lichen Befehl in Ausübung zu bringen. Der Arm des Vatermörders war bereits an unzähligen Stellen verbrannt und gebräunt. Schon ſchien alles Gefühl aus demſelben entwichen; denn der Diener mußte oft an mehrern Stellen das Marterinſtrument aufſetzen, ehe ſich die zuſammengeſunkenen Augenlider wieder erhoben.

Der Graf, welcher die Abnahme des Gefühls in dem bereits halb verſtümmelten Gliede erkannte und mit Recht befürchtete, es werde ganz erſterben, bot ietzt auch den andern geſunden Arm dar. Der Die⸗ ner trat auf die rechte Seite und das entſetzliche Schauſpiel begann von Neuem.

Aber kaum waren die qualvollen Stunden der Nacht verronnen, als auch bereits der rechte Arm daſſelbe Schickſal des linken erlitten hatte. Auch in ihm erloſch das Gefühl dermaßen, daß der Graf trotz der ſchmerzhaften Brandwunden einzuſchlafen drohte.

Da entblößte der Unglückliche mit einer Ruhe, wie ſie einem Helden des Alterthums würdig gewe⸗ ſen wäre, den linken Fuß und gebot ſeinem Peini⸗ ger, an dieſem Gliedmaße in der Art fortzufahren wie bei den Armen.

Der Knecht gehorchte, ohne ein Zeichen des Mit⸗ gefühls. Der Graf war bei ſeiner Dienerſchaft ob ſeines barbariſchen Regiments nicht beliebt. Viele derſelben erwarteten nicht ohne Schadenfreude den