Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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größter Feind iſt der Schlaf und gegen ihn anzukäm⸗ pfen ſei die Aufgabe meines Lebens.

Es waren zweimal vierundzwanzig Stunden ver⸗ gangen. Die Pauken und Trompeten, das Knallen der Champagnerpfropfe, das Geklirr der Gläſer war auf dem Falkenſtein verklungen, die zahlloſen Lichter erloſchen, die lebensfrohen Gäſte verſchwunden und die alte unheimliche Stille wiedergekehrt. Wieder ver⸗ nahm man das einſame Rauſchen des Windes in den hohen Ulmen, welche von mehren Seiten die alten Mauern umſchatteten, und weithin tönte durch die Stille das Rauſchen des benachbarten Wehrs.

Nur in dem einen Zimmer des Schloſſes flamm⸗ ten noch zahlreiche Kerzen, ging die Dienerſchaft ängſt⸗ lich und haſtig auf und ab. Hier ſaß der Graf von Falkenſtein todtbleichen Antlitzes, weitaufgeriſſenen Augen und emporgeſträubtem Haar. Der Mann ge⸗ währte einen Entſetzen erregenden Anblick. Seine Averſion vor dem Einſchlafen war bei der fortwäh⸗ renden gewaltſamen Aufreizung der Nerven jetzt wirk⸗ lich zur fixen Idee geworden.

Bereits ſeit fünf Tagen hatte er durch alle er⸗ denkliche Mittel ſich des Schlafs zu erwehren gewußt. Nach und nach hatte er zu immer ſtärkern, immer furchtbarern ſeine Zuflucht nehmen müſſen. Bereits war man ſo weit gekommen, daß ein Diener fort⸗ während bei ihm ſtehen und genau Acht geben mußte. Sobald ſich ein Auge des Grafen ſchloß, hatte er den ſtrengſten Befehl, ſogleich mit der glühenden Zange, die er in der Hand hielt, den entblößten Arm des Unglücklichen zu berütſen und den Schlaftrunke⸗ nen zu ermuntern.