Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

geführt und bald ſetzte ſich, den Grafen an der Spitze, die zahlreiche Caravane in Bewegung.

Als man den Schloßberg hinabfuhr, blitzten die erſten Strahlen der Morgenſonne über dem Walde.

Sei mir gegrüßt, du Leuchte des Tages, ſprach der Graf von Falkenſtein in trotzigem Uebermuthe und mit ſchlafloſen Augen,wo iſt jetzt deine Macht, unheimliches Geſpenſt, ſo man Schlaf nennt?

Wieder ſank der Abend hernieder, wieder legten ſich die Schatten in die Thäler und die Dunkelheit hüllte die blühende Schöpfung in ihren ſchwarzen Mantel, als die hohen Fenſter im Schloſſe Falken⸗ ſtein abermals zu leuchten begannen. Das heutige Feſt war wo möglich noch glänzender, noch rauſchen⸗ der, als das am vergangenen Tage. Neue lebens⸗ luſtige Gäſte, ſchöne Mädchen, junge Cavaliere wa⸗ ren angelangt; aber der lebensluſtigſte unter allen war der Graf von Falkenſtein. Wieder knallten die Pfropfe des Champagners, wieder rauſchten die ſei⸗ denen Gewänder der üppigen Schönen, wieder klap⸗ perten die Würfel, und wieder wogten die Tänzer unter berauſchenden Melodien.

Aber da ſah man, als die Kerzen immer tiefer brannten und außen wieder die Lerche aus dem Wei⸗ zenfelde emporſtieg, wie hier und da einer der geſtri⸗ gen Gäſte nur mit Mühe ſich noch aufrecht zu erhal⸗ ten vermochte und mit ſchlaftrunkenem Blicke durch das wogende Gedränge ſchwankte. Mit aller Macht rafften ſich die jungen Bonvivants zuſammen, um ſo munter wie möglich zu erſcheinen, denn der Graf hatte einen herrlichen Preis, ein Sechsgeſpann Apfel⸗ ſchimmel für denjenigen ſeiner Gäſte ausgeſetzt, der