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Immer tiefer brannten die Kerzen; ſchon erhob ſich aus dem Weizenfelde die fromme Lerche und ver⸗ kündete an dem grauen Himmel den keimenden Mor⸗ gen; hier und da hatte ſich ein Ballgaſt in die So⸗ phaecke eines dunkeln Nebenzimmers geflüchtet und die ermüdeten Augenlider fielen ihm unwillkürlich zu; aber wie ein böſer Feind durchſtrich der Graf von Falkenſtein, einen ſilbernen Leuchter mit mehrern brennenden Kerzen in der Hand, die Zimmer und jagte Jedermann, der da einzuſchlummern drohte, auf den Tummelplatz der Luſt zurück. Ihm ſelbſt war noch nicht die geringſte Neigung zum Schlafe in die Augen gekommen. Er fühlte ſich noch ſo munter, wie beim Beginne des Feſtes. Der heraufbrechende Morgen ſchien ihn mit neuer Kraft zu erfüllen. Die zahlreiche Dienerſchaft mußte immer neue Getränke umhertragen, um die Munterkeit der Geſebſchaft zu erhalten.
Letztere war wieder im großen Saale verſammelt. Der junge Tag blickte hier und da durch die rothen Gardinen. Mehre der Ballgäſte traten hinaus auf den Altan. Ein erquickender Duft wehte von den Tannenwäldern herauf und kühlte wohlthätig die
Wangen der Nachtſchwärmer. Auch Falkenſtein trat
heraus.
„Ach, das wird ein prächtiger Morgen!“ rief er, „wie wär' es, meine Herrſchaften, wenn wir eine Morgenparthie machten und den Kaffee auf meinem Belvedere einnähmen?“
Belvedere hieß ein äußerſt freundliches Weinbergs⸗ haus, das dem Grafen gehörte und von wo man eine herrliche Umſchau über die ganze Gegend genoß.
Der Vorſchlag ward einſtimmig angenommen. Ka⸗ roſſen fuhren vor, reichgeſattelte Pferde wurden vor⸗
Stolle, ſämmtl. Schriften. XIX. E


