Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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warfen die zahlreichen Kryſtallſpiegel das reiche Licht⸗ meer zurück. Die Gegend rings um das Schloß lag in magiſcher Verklärung. Süße Ballmelodien wogten durch die Säle und reizende Nymphen durchirrten die prachtvollen Gemächer. Der Graf von Falkenſtein hatte zur Feier, daß er jetzt der alleinige Beſitzer des Schloſſes geworden ſei, ſeine ganze liederliche Bekannt⸗ ſchaft geladen.

Falkenſtein ſelbſt befand ſich in Folge des genoſ⸗ ſenen Champagners in einer äußerſt aufgeregten Stim⸗ mung und faßte in trotzigem Uebermuthe von Neuem den Vorſatz, ſich nicht vom Schlafe überrumpeln zu laſſen. Rings um ihn brauſte das Leben in ſeiner ganzen Ausgelaſſenheit und an dieſes klammerte er ſich an mit aller Macht ſeiner Seele. Nicht ohne ein gewiſf Wohlbehagen durchſchritt er das wogende Getümmel, und hätte gewiß die Hälfte ſeines Ver⸗ mögens darum gegeben, wenn es eine Möglichkeit ge⸗ weſen wäre, ſich in dieſem klaren und wachen Zuſtande zu erhalten. Nicht die geringſte Müdigkeit, nicht die entfernteſte Neigung zum Schlafe zog ſich lähmend durch ſeine Glieder. Er war die Seele der Geſell⸗ ſchaft, voller Leben und Jugendkraft. Hier klang ſein Römer mit dem ſeiner Genoſſen helltönend an einander und die goldnen Perlen des Rheingaus netzten die dürſtenden Lippen; dort im Verborgenen rauſchten glühende Küſſe, dargeboten von roſigem Munde; in andern Zimmern rollten die Goldſtücke auf den grünen Tiſchen. Der Graf in ſeiner aufge⸗ ſtachelten Fröhlichkeit hatte bereits mehre Banken geſprengt. Im großen Saale wogten in einem Meere voll Melodien die blühenden Guirlanden des Cotillon. Der Graf, ein geſuchter Tänzer, floh von einem hoch⸗ klopfenden Buſen zum andern.