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„Aber ich will nicht einſchlafen,“ rief er ingrim⸗ mig,„ich will wach bleiben; der Menſch kann Alles, wenn er den feſten Willen hat, und ich habe ihn.“
„Sie ſind hier ſo ohnmächtig wie jeder andere Staubgeborne,“ ſprach ruhig der Arzt.„Es gibt der Beiſpiele genug, wo ſich Menſchen geraume Zeit wach erhalten haben, endlich mußten ſie doch dem unerbitt⸗ lichen Geſetz anheimfallen.“
Der Graf erkundigte ſich nach einigen ſolcher Bei⸗ ſpiele.
„Wo Sorgen und heftige Aufregung des Ge⸗ müths jene Ruhe und jenes innere Stillſtehen der Seele, welches das Leben in den wohlthätigen Strom der mitgeſtaltenden Naturkräfte verſinken macht, nicht gönnt, ſondern ſich gewaltſam dem Bewegen dieſes Stroms widerſetzt, kann zuweilen wochenlang Schlaf⸗ loſigkeit eintreten. So ließ die Angſt einen Mörder in vierzehn Nächten nicht einſchlafen, obgleich er nach und nach vierzig Gran Opium genommen hatte. Ein an Melancholie leidendes Weib blieb ſechs Wochen lang ſchlaflos und ſelbſt die höhern Grade der Hyſterie haben ein mehre Wochen, ja bis acht Monate aus⸗ dauerndes Wachen hervorgerufen.“
Nicht ohne Zufriedenheit hatte der Graf dieſe Beiſpiele vernommen. Ein verzweifeltes Lächeln zuckte über ſein Geſicht.
„Wohlan!“ rief er,„ſo will ich den Beweis führen, daß der Menſch auch ohne Schlaf exiſtiren kann; der Schlummer ſoll mich nicht überwältigen, es koſte, was es wolle.
„Nennen Sie mir wenigſtens ein Mittel,“ fuhr er nach einer Pauſe zum Arzte gewendet fort,„wel⸗ ches mich nur ſo lange vor dem Schlafe bewahrt, bis ich meine Anſtalten getroffen habe.“


