ſollte ich der Hälfte meiner Güter beraubt werden. Mein Papa, der mich ſein Lebtage ſtiefväterlich be⸗ handelt, wollte hierdurch ſeinen Grillen die Krone aufſetzen. Ich erſchöpfte vergeblich meine Beredtſam⸗ keit, ich bat und beſchwor, daß er zur Vernunft zu⸗ rückkehre— Alles vergeblich, ſo kamen wir ein wenig hart an einander. Das Gericht hat die Sache ſchlim⸗ mer dargeſtellt; es behauptet, ich habe meinen Vater zu Tode gemartert; kein Gedanke daran, der alte Mann hätte auch ohne den letzten Streit keinen Tag länger gelebt. Gleichwohl thut mir's leid, ſo in Unfrieden von ihm geſchieden zu ſein, obſchon er die alleinige Urſache davon war. Ich bin kein nerven⸗ ſchwaches Weib, aber man hat ſein Gefühl; dies wohl auch der Grund, daß mir mein Vater vorige Nacht im Traume erſchien, mir vorwarf, ich habe ihn nicht einſchlafen und ſterben laſſen; er verfluchte mich darum und warnte mich zugleich vor dem näch⸗ ſten Einſchlafen, dieſes werde mein Tod und zugleich meine Strafe ſein.“
Der Erzähler fiel nach dieſen Worten in ſeine gezwungene Luſtigkeit zurück.
„Nun, kann ich nicht hochromantiſch träumen?“ rief er,„trotz einem Versmacher, der ſich mit hun⸗ gerndem Magen zu Bett gelegt hat?“
Cornelius hatte mit Schaudern die Erzählung des Vatermörders vernommen. Er war nicht im Stande, ein Wort zu erwiedern.
„Ich bin nicht abergläubig,“ fuhr der Graf fort, „ich weiß, daß Träume Schäume ſind, aber trotz der räſonnirenden Vernunft kann ich mich eines leiſen Schauers bei dem Gedanken an ein Einſchlafen nicht erwehren. Wie, wenn der Satan ſein Spiel triebe; wenn die verwünſchte Traumviſion zur firen Idee


