Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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ſchreienden Frevel ruhig mit anſchauen konnte. Und war ich der niedrigſte Knecht und war es mein Un⸗ tergang, ich hätte den eignen Herrn zu Boden ge⸗ ſchlagen bei ſolcher Frevelthat. Wo die Geſetze aller Menſchlichkeit, der heiligſten Natur übertreten werden, können mich bürgerliche Geſetze nicht abhalten, von meinem erſten Naturrechte Gebrauch zu machen. Jetzt frage ich aber, wie eine rächende Vergeltung eine Strafe erſinnen will, für eine ſolche That?

Mein Sohn, ſprach Cornelius,die gerechte Strafe wird nicht ausbleiben.

In der Ewigkeit, das glaub' ich, erwiederte Alban,aber ich bin ſo empört, daß ich wünſchte, den Verbrecher ſchon hienieden gezüchtigt zu ſehen.

Das Bewußtſein der Schauerthat wird zeitig genug erwachen, ſprach Cornelius.

Ja, bei jedem Andern, fiel Alban ein,nur nicht bei dieſem Falkenſtein, der iſt verſteint im In⸗ nern und läßt ſich trotz ſeiner Schandthaten kein graues Haar wachſen; zudem ſind ſeine Verbrechen der Art, daß ihm eine weltliche Gerechtigkeit nicht beikommen kann.

Als am andern Morgen die Sonne über die erquickte Schöpfung heraufſtieg, wandelten Cornelius und Alban durch die herrliche Gegend. Ueberall zeigte der dankbare Boden von dem Fleiße ſeiner Bebauer. Da war kein Plätzchen, das nicht die Mühe des Säe⸗ mannes reichlich vergolten hätte. Nur weiter zur Lin⸗ ken, wo das Thal nach dem Flußbette ſich abdachte und die Gegend waldiger wurde, erhielt die Land⸗ ſchaft ein etwas dunkleres Colorit. Die ſparſamen Felder, die hier und da aus dem dunkeln Laubgrün