Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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ſeinen greiſen Vater nicht einſchlafen und nicht ſter⸗ ben laſſen, bevor dieſer nicht den Ort genannt, wo er ſein Teſtament verborgen, und welcher nur dem Gerichtsverwalter und dem Pfarrer bekannt war. In dieſem Teſtamente war nämlich auch der andere Sohn aus des Grafen zweiter Ehe bedacht, von welchem Niemand weiß, ob er noch am Leben und wo er ſich aufhält. Es hat eine Scene gegeben, bei welcher jedem fühlenden Menſchen das Blut in den Adern erſtarrt. Der verwahrloſte Sohn hat gegen ſeinen halbtodten Vater eine Folter angewendet, wie ſie nur die raffinirteſte Bosheit zu erſinnen vermag. Der alte Falkenſtein ward in den letzten Tagen von einer faſt ununterbrochenen Schlafſucht heimgeſucht. Das Ungeheuer von Sohn, fürchtend, dieſer Schlaf könne in den andern übergehen, berechnete hiernach ſeine Folter. Er weckte den kranken, todtmüden Greis mit allen erdenklichen Qualen aus dem leiſeſten Schlum⸗ mer, hielt ihn fortwährend wach und erpreßte durch ſolch teufliſche Marter das Geheimniß. Vergebens hat der alte Mann um eine ruhige Sterbeſtunde ge⸗ fleht, zweimal vierundzwanzig Stunden hat die Fol⸗ ter gewährt; endlich als der Greis nicht länger zu widerſtehen vermochte, hat er mit empörtem Herzen und unter Verfluchung ſeines Peinigers den Ort, wo das Teſtament verborgen, genannt. Während der Bö⸗ ſewicht dahin eilte, den Schatz zu heben, iſt der alte Vater geſtorben.

Cornelius ſchauderte, und Theodolinde hielt ent⸗ ſetzt die Hände gefaltet. Alban fuhr in ſchöner Auf⸗ regung fort:

Mich empört weniger die Unthat des Ruchloſen, von dem man nichts Beſſeres gewohnt iſt, als die Erbärmlichkeit der Dienerſchaft, die ſolch himmel⸗