Teil eines Werkes 
17. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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haft werden ſolle. Es blieb ihr jetzt nur noch der Ausweg, ſich an Vetterlein und den Factor Süßmilch zu wenden, welche feſt entſchloſſen waren, die Reiſe nach dem Oriente anzutreten.

Gamaliel hatte, wie wir geſehen, nach Lagemann's Niederlage bei Madame Drollinger ſeine Mütze ergrif⸗ fen und war in höchſt desperater Stimmung hinaus in die Berge gelaufen. Hier grünte Alles wunder⸗ ſchön und Grasmücken ſangen im Gebüſch. Aus dem tiefern Walde herüber tönte die Stimme des Guckucks. Der Secretair hörte ihn dieſes Jahr zum erſten Mal, und begann ſogleich zu zählen. Er brachte es auf dreiundzwanzig, was ihn ziemlich heiter ſtimmte.

Nach einiger Zeit fuhr der Secretair fort:Was hilft es, daß wir plötzlich reich geworden ſind, bin ich denn deshalb froher geworden? Der ganze ſchöne Frühling geht mir zu Grunde, wenn ich nicht reiſen darf. Vergebens blüht Alles umher und die Vöglein ſchmettern, daß man möchte taub werden, aber Herz und Gemüth iſt verſtimmt und vernimmt nichts.

Während dieſer miſanthropiſchen Betrachtungen wa⸗ tete Gamaliel durch Gras und Blumen längſt des Fahrwegs, welcher nach Friedrichshof führte. Es war dieſe Richtung ſeit einiger Zeit ſein Lieblingsſpazier⸗ gang. Wenn er aus dem Stadtthore trat, ſchlug er ihn faſt unwillkürlich ein. Dann ſchwebte wohl zu⸗ weilen vor ſeiner entzückten Phantaſie das Bild der reizenden Klotilde wie eine Engelserſcheinung vorüber, und er vergaß Kabul, Erbſchaft und Alles und lebte blos in Rückerinnerung an jenen feenhaften Augen⸗ blick, wo er die Tochter des Generals vom Abend⸗ rothe umklungen wie eine kleine Heilige erſchaut hatte.