196
wären Auerhahn und der Papiermüller Hahn im Korbe. Auf eine junge heirathsluſtige Wittwe ſeien keine Häuſer zu bauen. Während er(Henoch) auf hoher See mit den Wellen kämpfe und mit widrigen Winden und Seeungeheuern, hätten die beiden Zurück⸗ bleibenden die bequemſte Muſe, das Herz der Frau Urſula zu belagern, zu ſtürmen und endlich zu erobern. Es konnte ſich vielleicht gerade der traurige Fall er⸗ eignen, daß wenn er nach tauſenderlei außergewöhn⸗ lichen Abenteuern endlich aus dem Morgenlande heim⸗ kehre, er gerade zu dem Momente eintreffe, wo Auer⸗ hahn mit der Wittib Hochzeit mache, wie zu den Zeiten der Kreuzzüge öfter vorgekommen ſei und den Poeten häufig Stoff zu den rührendſten Romanzen gegeben habe. Alſo auch die Ausſicht auf der⸗
einſtigen ſüßen Minneſold konnte den Gotteskaſten⸗
vorſteher nicht bewegen, den trauten heimathlichen Herd von Niederroßla zu verlaſſen und gen Kabul zu ſteuern.
Auerhahn, welcher den Sinn von Urſula's ver⸗ blümten Heirathsofferten endlich ebenfalls heraus be⸗ kam, erwiederte auf ſeine gewohnte unzarte Weiſe: „Was da, wenn Sie mich heirathen wollen, wozu das lange Brimbarium; ich bin kein eigennütziger Freier, der nach Geld und Gut geht; auch ohne die Kabul'ſchen Ducaten ſollen Sie es ganz leidlich bei mir haben. Eine kluge Frau, wie Sie, wird ſchon mit mir auszukommen wiſſen, wenn ich auch nicht alle Zeit zu den Feinſten gehöre.“
Frau Urſula that bei dieſen Worten wieder ſehr böſe und im Grunde war ſie es auch. Sie begriff nicht, nachdem ihre Freier ſo wenig ritterlichen und galanten Sinn an den Tag gelegt, wie ſie ihres Erb⸗ theils auf die am wenigſten koſtſpielige Weiſe hab⸗
—


