Freſſer, ſo gab wieder der Transport des Erbthiers zu den mannigfachſten Vermuthungen, Befürchtungen und Erörterungen Veranlaſſung. Auch bei dieſer Ver⸗ handlung machte ſich Schlimper wieder als äußerſt unbequemer Opponent bemerkbar. Als nämlich von Zeiſig's Frugalität und dem halben Häringe die Rede war, meinte der Horndrechsler:„Ein Geſandter des Raths zu Niederroßla dürfe nicht als Dreckfreſſer durch die Welt fahren; im Gegentheil er müſſe dicke thun, Geld aufgehen und ſich ſehen laſſen, dies verlange die Ehre der Corporation, welche er repräſentire; zwei Bouteillen ächten Rheinwein täglich, was ſei das; ferner gut Frühſtück; fünf Gänge Mittag und drei zu Abend; das ſei unerläßlich. Seeluft zehre. Die Ehre gehe über Alles. Der Zeiſig müſſe als Adler nach dem Morgenlande flattern und königlich leben, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß er das Kroko⸗ dill aufzehre.“
Das übrige Collegium, den Bürgermeiſter nicht ausgenommen, war mit dieſen hochfliegenden Anſichten des liberalen Schlimper's ganz und gar nicht einver⸗ ſtanden. Eſſen und Trinken, hieß es, mache nicht den Mann, plötzliche Unmäßigkeit könne ſogar nach⸗ theilig werden, namentlich in ſüdlichen Gegenden. Der Actuar ſei des Weins ungewohnt und kein Freund von Leckereien.
Während man ſich über Zeiſig's Appetit herum⸗ ſtritt, ſaß der Actnar ſelbſt ganz willenlos in ſtilles Hinbrüten verſunken auf ſeinem Platze. Die Gefah⸗ ren der morgenländiſchen Fahrt zogen in drohenden Bildern ſeinem verdüſterten Gemüthe vorüber, welches letztere ſelbſt durch Schlimper's in Ausſicht geſtellten feinen Weine und leckern Mahlzeiten nicht zu erhei⸗ tern war.


