Teil eines Werkes 
17. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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Zeiſig war ein herzensbraver Mann; er trat Nie⸗ manden in den Weg und erfüllte ſeine Pflichten mit ſeltener Redlichkeit und Berufstreue; aber er war unbekannt mit der Welt und ihrem ſchnöden Treiben. Sein ganzes Lebelang war er, mit Ausnahme ſeines Aufenthalts auf der Akademie, nicht drei Meilen weit über das Weichbild ſeiner Vaterſtadt Niederroßla hin⸗ ausgekommen. Ueberdies gehörte Zeiſig auch noch zu den ſogenannten Unglücksvögeln, denen ſelten Etwas gelang und die überall mit dem kleinen malitiöſen Dämon der Fehlſchlagungen zu kämpfen hatten. Na⸗ mentlich war dies mit dem Actuar im Punkte der Liebe der Fall geweſen, immer hatte er, obſchon die redlichſten Abſichten im Buſen führend, einem Glück⸗ lichern nachſtehen müſſen und war daher Junggeſelle geblieben zeitlebens. Zu ihm aber wandte ſich, nach⸗ dem das geſammte Ratbscollegium auf die Reiſe nach Kabul verzichtet, der regierende Bürgermeiſter und ſprach folgendermaßen:

Senator, begann er,ich bin überzeugt, ein geehrtes Collegium iſt allgemein damit einverſtanden, wenn ich Sie für die ſo ehrenvolle wie fruchtbrin⸗ gende Reiſe nach Kabul auserleſe.

Zeiſig ſah den Blitzſtrahl niederzucken, erwiederte nichts und man vernahm nur einen tiefen Seufzer, welcher der großen Scene ein eignes romantiſches Co⸗ lorit verlieh.

Senator, fuhr Flaminius fort,je länger ich darüber nachdenke, um ſo überzeugender ſtellt ſich mir der Gedanke, daß Niemand mehr geeignet zu dieſer Weltfahrt ſein dürfte.

Der Actuar ſeufzte.

Sie ſind unverheirathet, ſprach der Bürgermei⸗ ſter weiter,kein Weib und Kind weint dereinſt an