Teil eines Werkes 
17. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

ten Feuchtigkeit zu bemächtigen. Er begriff nicht, was Gamaliel ſo eigentlich wollte, und beſchloß, deſ⸗ ſen Gefaſel durch einige ruhige ſtatiſtiſche Notizen ein Ziel zu ſetzen.

„Die Hauptſtadt Kabul,“ begann er, nachdem er ſich von der Unergiebigkeit des Kännchens ſattſam überzeugt hatte,„iſt in einer höchſt reizenden Thal⸗ ebene am Fuße des Hindukuſch gelegen und zählt achtzigtauſend Einwohner. Die Stadt iſt der Erd⸗ beben wegen nur von Holz gebaut, wichtig aber als einer der Haupthandelsplätze Aſiens, wo die verſchie⸗ denſten Nativnen Vorder- und Hinterindiens zuſam⸗ mentreffen und unter dem Schutze des Regenten, der hier wohnt, völlige Sicherheit und Religionsfreiheit genießen. Der große Bazar beſteht aus einer ſechs⸗ hundert Fuß langen und dreißig Fuß breiten Säu⸗ lenhalle.“

„Himmel, ſo ein Bazar,“ rief Gamaliel wieder, „dieſer Reichthum, dieſe leuchtende Pracht, dieſe Per⸗ len, dieſer Purpur, dieſe ſeidenen Stoffe, dieſe Shawls; Mutterchen, wenn ich einmal dahin komme, bringe ich Dir einen echten Shawl mit, um den Dich ganz Niederroßla und Umgegend beneiden ſoll.“

„Das ſoll mich freuen,“ ſcherzte Felicitas,„wenn Du nur ſchon dort wärſt.“

Der Gotteskaſtenvorſteher hielt hier als berühm⸗ ter Geograph für ſeine Pflicht, die Kurzſichtigen auf die Beſchwerlichkeit und die Gefahr, im Morgenlande fortzukommen, aufmerkſam zu machen; zugleich gab er die Länge der Reiſe zu bedenken.

„Bis nach Kabul iſt kein Katzenſprung,“ ſprach er gelehrt,„das iſt wohl weiter als man denkt; nur außergewöhnlicher Anſtrengung mag es gelingen, bis dahin vorzudringen; auch iſt daſelbſt als Chriſten⸗