dieſen Fall gar nicht gedacht, über die Erbſchaft nicht einmal recht freuen; es iſt eine wahrhaft üble Einrichtung, daß bei einer Erbſchaft allemal Jemand zuvor geſtorben ſein muß; und diesmal noch dazu ein ſo naher Verwandter.“
„Du haſt recht, mein Gama,“ erwiederte Felici⸗ tas,„auch hab' ich mich nicht eben gefreut; ich hielt mir die Himmelsbotſchaft dagegen, wenn der Bal⸗ thaſar ſelbſt plötzlich heimgekehrt wäre nach Nieder⸗ roßla. So iſt er geſtorben unter fremden Menſchen, im fernen Afien, in der Blüthe ſeiner Jahre, und hat noch im Tode unſrer liebend gedacht.“
Gamaliel trocknete ſich eine Thräne; die Mutter fuhr fort:„Ich ſehe ihn noch vor mir den jungen hübſchen Burſchen mit dem weichen geringelten Haar und den heitern, muthigblickenden Augen, wie er, das Ränzlein auf dem Rücken, Abſchied nahm, und dahin wanderte die alte Kaſtanienallee, und immer ſtehen blieb und zurückblickte und mit dem blauen Taſchentüchlein Lebewohl winkte, bis er hinter einem blühenden Weizenfelde verſchwand. Du warſt damals erſt wenige Monate alt und lagſt noch in der Wiege. Balthaſar konnte ſich an Dir nicht ſatt ſehen und ſchwur, wenn er's einmal zu etwas Reellem brächte, wollte er Alles mit Dir theilen.“
„Der Gute,“ ſchluchzte Gamaliel,„o daß er lebte, wie wollt' ich ihn lieben. Was helfen jetzt alle Reichthümer Aſiens, da er uns ſelbſt entriſſen. Hat er denn auch gar nicht einmal geſchrieben?“
„Den erſten und letzten Brief,“ erwiederte Felici⸗ tas,„erhielt ich aus der Reſidenz, wo ich ihn an einen geſchickten Zeichnenlehrer empfohlen hatte. Dort machte er die Bekanntſchaft eines kunſtliebenden Eng⸗ länders, dem er nach Italien folgte. Seit dieſer Zeit


