würde das Erdenland über kurz oder lang eine Wüſte werden, und jeder Schuljunge nach erhaltener Kopf⸗ nuß das Zeitliche abſchütteln und verklärt den Ster⸗ nen zuſchweben.“
Gamaliel philoſophirte noch geraume Zeit, wäh⸗ rend der Sternenhimmel ſich über ihn immer pracht⸗ voller aufſchloß. Die Luft zog frühlingswarm über die Berge und die ſchlummernden Knospen.
„Ich wünſcht', ich wäre ein Keim,“ fuhr der Phi⸗ loſoph fort,„und könnte morgen früh, wenn die Sonne über die Berge ſteigt, hervorbrechen und die Herzblättchen auseinanderfalten im Schöpfungsſaal. Die Sonne und der blaue Himmel muß ſich prächtig ausnehmen nach der langen Winternacht in feuchter Erde. Auch eine Lerche möcht' ich ſein, die ſieht Alles von Oben mit an, oder die grüne Fichte auf hohem Gebirg'“ oder die Alpenblume, oder die de⸗ mantreine Quelle, die aus umwaldetem Felsgeſtein bricht und vieles Andere. Vor der Hand dank' ich aber dem lieben Gott von Herzen, daß ich bin, wozu er mich gemacht hat.“ Er gedachte hier an ſeine Mut⸗ ter, an die Erbſchaft und an den Glühwein, der ihn zu Hauſe erwartete.
„Wenn der Glühwein nicht wäre,“ meinte der Schrei⸗ ber,„und die erbſchaftlichen Angelegenheiten⸗ ſo weiß ich nicht, ob ich nicht noch ein halb Stündchen hier ſitzen bliebe und dem finkenden Abendſtern zuſchaute; ich habe ihn lange nicht in ſolcher Pracht geſehen.“
Gamaliel war jetzt aufgeſtanden und überſchweifte nochmals die im Dunkel ruhende Erde, auf welche der reiche Sternenhimmel herabſchaute.
„Das muß ein außerordentlicher Frühling werden,“ ſprach der Jüngling, indem er den Heimweg antrat, „wenn die warme Witterung anhält, iſt in ein paar


