drang nicht weiter in ihn, ermahnte ihn nur, zum Abendſüppchen wieder da zu ſein, wo ſi auch ein Glas Glühwein bereit halten wollte.
„Du biſt und bleibſt meine Engelsmutter,“ jubelte Gamaliel,„aber jetzt leb' wohl, damit ich noch ein Stück Sonne erhaſche; ſie kann nicht mehr hoch über den Bergen ſtehn.“
Er ſtürmte fort und Felicitas kehrte nach dem Kaffeezimmer zurück.
Zweites Rapitel.
Ueter grünen Knospen hing die Abendſonne, ein leuchtender Gedanke Gottes in der ſchönen Welt. Der blaue Fluß athmete leicht und heiter durch das früh⸗ lingſchauernde Thal. Seine klaren Wellen drängten koſend und neckend gegen die weichen ſchwellenden Ufer. Ueberall brach es hervor golden und grün. Die Luft war ſtill und mild; aus dem erwärmten Wieſenboden blickte hier und da ein blaues Veilchen oder Crocusglöckchen; Lerchengeſang durchklang den blauen Himmel.
Gamaliel wallfahrtete den Fluß zur Rechten in die nahen Abendberge, hinter welchen die Vesper⸗ glocke eines naheliegenden Dorfs den morgenden Sonntag verkündete. Er blieb oft ſtehen und ſchaute vom Uferrande in die weichen ſtillen Wellen, in de⸗ nen ſich das hohe Ufergras und knospenſchwellendes Erlengebüſch wiederſpiegelte.
Der Menſch iſt erſt dann Menſch im ſchönen


