entfernt verwandten Zeichnenlehrer in der Stadt über⸗
macht, verſchwieg ſie.
Der weibliche Convent fand ſich durch dergleichen wenig erſchöpfenden Mittheilungen nicht ganz beruhigt und erging ſich in Hypotheſen, wie der davon gelau⸗ fene Beutlerlehrling nach Kabul gekommen und Hof⸗ maler geworden; eine Frage, welche halb Niederroßla, den Bürgermeiſter und den Senat nicht ausgenom⸗ men, mehre Nächte lang unruhige Träume machte.
Der gute Sohn, als er„dieſe Fülle der Ge⸗ ſchichte“ erſchaute, prallte erſchreckt zurück und fuhr in die Küche, wo er nach Bürſte und Wichſe ſuchte. Während er mit erſterer verzweifelt hin und wieder fuhr und ſich wieder auf glänzenden Fuß zu ſetzen bemüht war, durchzuckten Freudenblitze ſein Gehirn und Herz. Der weibliche Senatusfrequens am Scheuertage ſchien ihm von vorzüglicher Vorbedeu⸗ tung. Die Nachbarinnen waren ihm ſammt und ſonders Sybillen, welche Segen und Freude pro⸗ phezeiten.
„Es fällt gewiß außer dem Sonntagsröckchen noch was ab,“ ſprach er wichſend und Freudentropfen fie⸗ len aus den blauen Wunderaugen; er gedachte der mit Armuth kämpfenden Mutter.„ Es ſind ja die angeſehenſten Frauen drinnen,“ fuhr er fort,„ die kommen nicht wegen einer Bagatelle.“
Während Gamaliel in der Küche wichſte und weinte, ging's über ihn her im Frauencolleg, chriſtlich und liebreich. Sein plötzliches Erſcheinen und Ver⸗ ſchwinden hatte die Aufmerkſamkeit auf ihn gelenkt und die Rede auf ihn gebracht. Man überſah dem hoffnungsreichen Erben menſchenfreundlich das fahrige Weſen und ließ ſeiner madonnenhaften Schöne gebüh⸗ rende Anerkennung widerfahren. Für diejenigen, wel⸗
—


