13
Amanda in die Stricke gegangen, zuweilen Frau Muhme genannt. Hanno theilte dieſe erfreuliche Entdeckung ſofort dem Meubleur Hantuſch mit, bei welchem er ſeine einzige Walddecoration verſetzt hatte, verwies auf die aſfiatiſche Erbſchaft und verlangte, daß jener den Wald herausgebe. Hantuſch war kein Sanguiniker, und ſchüttelte über des Directors erb⸗ ſchaftliche Muthmaßungen ungläubig den dicken Kopf. Hanno führte indeß das„Frau Muhme“ dem Zweif⸗ ler ernſtlich zu Gemüth, ſo daß Hantuſch Einſehen bekam und die Decoration bis zur Teſtamentseröff⸗ nung aus dem Arreſt gab. Dem Director kam dies ſehr gelegen, und er konnte nun den Wald bei Her⸗ mannſtadt, ein Kaſſenſtück, in Scene ſetzen, wie er längſt gewünſcht.
Ein anderweitiger Niederroßlaer, welcher auf die Erbſchaft ſpeculirte, aber ruhig und ohne Leidenſchaft, war der Factor in der Buchdruckerei, Herr Süßemilch mit Namen, ein langer, dünner, ſteifer, blaſſer und ſemmelblonder Knabe in den mittlern Vierzigern. Seine Anſprüche waren nicht weiter her, als die des Lagemann, der Klugin und des Hanno; darum ſagte er gelaſſen:„wir warten es ab.“
Wir kommen jetzt zum letzten Expectanten, dem Magiſter Vetterlein, Quartus an der Stadtſchule, einem kleinen drolligen Männchen, der in ſeinen jun⸗ gen Jahren Frankreich, die Schweiz und Oberitalien bereiſt und nun bereits ſeit dreißig Jahren von dem Ertrage dieſer Reiſe zehrte. Dreißig Jahre lang er⸗ zählte er in Niederroßla von ſeinen ehemaligen Wan⸗ derungen und war noch immer nicht zu Ende, denn ſo wie es das Geſpräch einigermaßen gab, kam er darauf zurück. Daſſelbe war der Fall, als Nummer 16 des Wochenblatts viel Stoff zur Unterhaltung gab.


