12
die rührende Freundſchaft ſeines Vaters Kenntniß gehabt.
Nicht weniger Hoffnung auf ein geſegnetes Ge⸗ dächtniß im Kabul'ſchen Teſtamente machte ſich Frau Urſula, verwittwete Glaſermeiſterin Kluge; deren Mut⸗ ter der ſiebzehnjährige Balthaſar vor ſeinem Davon⸗ laufen, wahrſcheinlich aus vetterlicher Aufmerkſamkeit, bedeutend den Hof gemacht, und dabei zugleich ihren Hof an all ſeinen Wänden mit kühnen Pinſelſtrichen bereichert hatte.
Dergleichen roſenrothe Jugenderinnerungen, erklärte auch Frau Urſula mit pſychologiſchem Scharfblick, ver⸗ gäßen ſich auf dem Sterbebette nicht, und habe Herr Haſſan⸗ben⸗Mullah einmal an Niederroßla gedacht, ſo ſtünde ihre Frau Mutter ſelig oben an.
Die drei Freier, welche dermalen mit Eifer am Triumphwagen der jungen koketten Wittwe zogen, und wo jeder nach Kräften bemüht war, den andern vom Bocke zu werfen und nöthigenfalls zu würgen, hörten ſolche Rede nicht ungern, obſchon ſie im Chore ſchwuren und betheuerten, daß große Erbſchaft den Werth der Wittib und ihre Liebe zu derſelben nicht zu erhöhen vermöchte. Gleichwohl verdoppelten ſie ihre Anſtrengung, und jeder ſtrebte aus Leibeskräften, Sologaul am Wagen zu werden.
Große Hoffnung auf die Erbſchaft baute auch der Schauſpieldirector und Heldenſpieler Hanno, welcher mit ſeiner ambulanten Truppe zufälliger Weiſe in Niederroßla gaſtirte. Er hatte fünf Weiber gehabt; wovon ihm drei geſtorben und zwei davon gelaufen waren. In Folge des angeſtrengteſten Nachdenkens brachte er heraus, daß ſeine zweite verblichene Frau die Pfarrerswittwe Felicitas Drollinger, bei welcher ſein kleines, jetzt ebenfalls verſtorbenes Töchterlein


