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thal, halb Sachſen und Böhmen den Beginn des Nachtgewitters verkündend. Der plötzlich herabfal⸗ lende Platzregen trieb uns zurück in's Winterhaus. Der alte Böhme ſtellte ſich ſogleich an's Fenſter und ſchaute keck hinaus in das großartige Nachtſtück, wäh⸗ rend das Mädchen zitternd die Perlen des Roſen⸗ kranzes durch die Finger gleiten ließ. Immer wil⸗ der tobte das Unwetter. Von Zeit zu Zeit ſtürzte ein losgeriſſenes Felsſtück unter dumpfem Donner in den Abgrund. Seufzend ſchlugen die Eichen auf ih⸗ rem baſaltenen Poſtament die naſſen Kronen gegen einander. Rings umher eine Nacht wie vor Er⸗ ſchaffung der Welt, fortwährend von den goldenen Bändern der Blitze durchſchnitten. Der Donner rohte ununterbrochen..
Als aber das Toben der Natur den höchſten Grad erreicht hatte, das ſchöne Mädchen todtenähnlich zu⸗ ſammengeſunken war, die Wirthsleute, die Bibel in der Hand, mit bebenden Lippen daſtanden, und mir ſelbſt ganz und gar nicht wohl zu Muthe war, da die Blitze wie Raketen aus allen Weltgegenden ge⸗ gen das Winterhaus daherfuhren— da griff der alte Böhme plötzlich nach ſeiner Harfe. Seine Blicke leuch⸗ teten, die Töne rauſchten und er ſtimmte an ein ur⸗ altes böhmiſches Volkslied. Es war ein wilder, to⸗ desmuthiger, ſiegesfreudiger Schlachtgeſang aus dem Kriege der Huſſiten. Der ging aber nicht aus Moll, ſondern aus dem kräftigſten, freudigſten Dur. Ich hörte deutlich die Trommel Ziska's wirbeln, ich ſah die Procope hoch zu Roß, die Eiſenkeule in der Fauſt, voran der ſchwarzen rache⸗ und freiheitglühen⸗ den Schaaren. Es war ein heißer, blutiger Drang und Kampf für Glauben und Vaterland, und je lau⸗ ter der Donner niederſchlug in die Felſen und dröh⸗


