Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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der römiſchen Blitze in die Hofburg zu Wien und zündete. Das junge deutſche Glaubenslicht ward jetzt zur Feuersbrunſt. In dreißig blut⸗ und zornvollen Jahren legte das Haus Habsburg ſein religiöſes und politiſches Glaubensbekenntniß nieder. Mancher katho⸗ liſche Dom ſtürzte zuſammen, manches proteſtantiſche Bethaus ward geſchleift, und als man kampf⸗ und blutmüde Frieden ſchloß, theilte ſich Luther und der Papſt in das deutſche Reich. Jener behielt den Nor⸗ den, dieſer den Süden. So iſt es geblieben bis auf den heutigen Tag.

Finſter und waldumnachtet erhebt ſich auf Böh⸗ mens und Sachſens Grenze ein hoher Berg mit ba⸗ ſaltner Kuppe und einer Eichenkrone. Man nennt ihn den großen Winterberg und er iſt einer der Marktſcheiden zwiſchen dem proteſtantiſchen und katho⸗ liſchen Deutſchland. Weithin ſchweift von hier der Blick in das walddunkle, tiefkatholiſche Böhmen, wo ſie vor Jahrhunderten feeudig kämpften und bluteten für Huß und Luther und jetzt gläubig knieen vor dem heiligen Nepomuk. Weithin ſchweift der Blick auf der anderen Seite in das lachende proteſtantiſche Sach⸗ ſen. Der Gipfel des Berges ſelbſt iſt lutheriſch, vom nahen ſächſiſchen Gränzdorfe tönt einfach und ſtill die Glocke des reinen Evangeliums. Auf der ent⸗ gegengeſetzten Seite des Berges beginnt Sanct Peter's Macht. Tief unten im Thale tritt die Elbe aus Böhmen herüber und fließt nun fort durch lauter proteſtantiſche Länder bis zu ihrer Mündung im Meere.

Dort oben aber auf der unwirthbaren Höhe, wo das kleine Winterhaus erbaut ſteht auf kaltem Ba⸗ ſalt, und umrauſcht wird von der einſamen Eichen⸗ gruppe, in deren Zweigen wunderbare Lieder tönen,