Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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Am andern Tage ging die Reiſe zur Poſt von Schneeberg aus, über Stollberg, Chemnitz, nach dem lachenden Elbflorenz, aus dem Winter in den Früh⸗ ling zurück.

Die ſächſiſchen Mädchen.

Un über den fraglichen Gegenſtand ein unbefange⸗ nes, philoſophiſches Urtheil abzugeben, iſt ein Haupt⸗ erforderniß, daß man nicht ſelbſt verliebt iſt. Da ich mich, Gott ſei Dank, dermalen in dieſem glück⸗ lichen, emancipirten Zuſtande befinde, ſo ergreife ich die ſch ne Gelegenheit, und berichte wie folgt:

Die ſächſiſchen Mädchen ſind ein herrliches Ge⸗ ſchlecht, das der liebe Gott zum Nutzen und From⸗ men ſeiner guten und getreuen Bewohner des conſti⸗ tutionellen Königreichs Sachſen beſonders erſchaffen hat, obſchon die königlich ſächſiſchen Mädchen nichts weniger als conſtitutionell geſinnt zu nennen, da der ſächſiſche Landtag gleich beim Beginn ſeiner Sitzun⸗ gen die unpolitiſche Ungalanterie beging, das reizende Geſchlecht von ſeinen Sitzungen auszuſchließen und ſich ſeine Gallerie muthwilligerweiſe zu defloriren.

Es iſt ein uralt Bonmot, daß

in Sachſen die ſchönen Mädchen wachſen.

Ging ich nun nicht ſo unparteiiſch zu Werke, ließ ich das Bonmot auf ſich beruhen, und die Welt käme hinſichtlich der ſächſiſchen Mädchen nie auf's Reine, aber ſo ſtreiche ich das ſchön und ſetze dafür hübſch. Nach dieſer Variation will ich das Sprichwort be⸗ ſchwören, falls die Sache zum Prozeſſe kommt. Hier⸗ mit ſoll nun nicht geſagt ſein, als ob in Sachſen