nen federleichten Aehren noch auf dem Felde und der Hafer war noch ganz grün.
Die Armuth in dieſer, von allen Göttern ver⸗ laſſenen Region nimmt von Jahr zu Jahr zu. Beim angeſtrengteſten Fleiße verdient jetzt— im vollſten Sinne des Worts— eine Spitzenklöpplerin nicht das trockene Brot, denn ſie muß ihren Hunger gro⸗ ßentheils mit Kartoffeln ſtillen. Dazu kommt noch, daß der Bergbau immer mehr in Verfall ge⸗ räth. Auf der Erde Nichts, unter der Erde Nichts, ſind die Armen auf den Himmel verwieſen, wovon ſie leider nicht ſatt werden. Es iſt ein Jammer, wenn man in den Gegenden des höchſten Gebirgs, in Johann⸗Georgenſtadt, Eibenſtock, Schön⸗ haide, den blaſſen Leidensgeſtalten begegnet, die mit ſeltſamer Trauer zu dem durchwandernden Fremd⸗ ling aufſchauen, der von glücklicheren Himmeln zu erzählen weiß.
Was helfen hier oben in dieſer Stiefmutter von Gegend alle Deklamationen von Heimath, Patriotis⸗ mus und Vaterlandsliebe. Der Boden, der ſeine Kinder beim angeſtrengteſten Fleiße verhungern läßt, hat auch keinen Anſpruch auf die Liebe derſelben, und iſt irgend deutſchen Landsleuten eine glückliche Ueberfahrt nach Amerika zu wünſchen, ſo ſind es die armen Bewohner des ſächſiſchen Sibirien.
Auf der Grenze zwiſchen Sachſen und Böhmen beim Dorfe Wildenthal ſteigt ein gigantiſcher Berg zu den Wolken; es iſt dies der Auersberg, und wer ihn erſtiegen, kann von Ausſicht erzählen. Man muß aber einen heitern Nachmittag wählen, denn die Vormittage ſind ſelten von Nebeln frei. Da liegt ein mächtiges Stück von Böhmen, wie eine friſch eo⸗ lorirte Landkarte, zu unſern Füßen. Ein gut be⸗


