Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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weht bereits die mittlere Region, und verbietet manchem reizenden Kinde Floren's, die goldenen Au⸗ gen aufzuſchlagen. Der Fleiß der Menſchenhand muß hier nachholen, was der Erdboden verſagt. Uner⸗ müdlich ſchwirrt das Weberſchiffchen in den zahlrei⸗ chen, großentheils ärmlichen Wohnungen. Tauſend und abertauſend Hände regen ſich in geſchäftiger Eile wie ein Ameiſenhaufe, vom armen Löffelſchmidt und Korbflechter bis zur blaſſen Spitzenklöpplerin, die bei dürftigem Lampenlicht von früh bis zum ſpäten Abend an ihrem kunſtreichen Gewebe ſitzt.

Steigen wir aber beherzt noch höher in die Berge hinein, in den dritten Gürtel, da ſchweigt als⸗ bald die Gewerbthätigkeit, das Fabrikleben; Alles wird ſtiller, rauher; auf der Erde iſt für den Men⸗ ſchen Nichts mehr zu holen, und er ſteigt wieder in die Erde hinab, in das Reich der Gnomen und Me⸗ talle. Die Hütten werden ärmlicher, die Geſichter bläſſer; die kräftigen Fichten, die muntern Tannen, die wenig Stunden tiefer im Lande noch ſtolz und majeſtätiſch zum Himmel ſtreben, verlieren allen Muth und werden zwergartig. Dürftig nur noch gedeiht der einſame Eibiſchbaum mit ſeinen blutrothen Bee⸗ ren am Wege, endlich erliſcht auch dieſer, und ſo weit der Blick troſtlos die todtkalte Gegend durch⸗ ſtreift, trifft er auf Nichts, als auf einen theilnahm⸗ loſen Himmel und graues Elend.

Faſt wie Jronie ſieht es aus, wenn die armen Bewohner hier und da auf einem ſonnig gelegenen Plätzchen die unfruchtbare Erde umgewühlt und ein goldenes Saatkorn darin verborgen haben. Ich durch⸗ wanderte vor einigen Jahren im Anfang October dieſe Gegend, da ſtand das armſelige Korn mit ſei⸗