Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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ſterwerks gedenken, das innerhalb Freibergs düſtern Mauern gedichtet und in Mußik geſetzt ward. Ich weiß nicht, ob das liebe Mufikſtück:der Berg⸗ mannsgruß, Text von Döring, componirt von Anacker, außerhalb Sachſen ſo bekannt und beliebt iſt, wie innerhalb unſerer beſcheiden gezogenen Grän⸗ zen. Es erhält dieſes Tonwerk hauptſächlich dadurch einen eigenthümlichen Reiz, daß Dichtung und Töne inmitten des Bergwerklebens entſtanden, den Zauber und den Duft der Berge gleichſam in ſich geſogen und treu bewahrt haben.

Wenn man von Dresden nach Freiberg heraufge⸗ wandert iſt, denkt man wunder wie hoch man ſich vefindet, während ſich im Süden neue, höhere Berg⸗ maſſen gen Himmel wälzen. Immer öder und trau⸗ riger wird die Gegend, die Vegetation ſparſamer, bald bleibt Flora's und Pomona's Reich ganz zurück, und man vernimmt nur das einſame Rauſchen finſterer Tannenwälder.

Wir beſchloſſen, das gewerbreiche Chemnitz, dieſe Lebenspulsader des Gebirgs, rechter Hand lie⸗ gen zu laſſen, und wanderten über das freundliche Bergſtädtchen Annaberg ſchnurſtracks auf jene vom Himmel verlaſſene Gegend zu, die man unter dem Namen des ſächſiſchen Siberien begreift.

Man kann das ſächſiſche Erzgebirge füglich in drei Gürtel theilen. Aehrengolden wogt es auf den ſüd⸗ lichen Abhängen, der üppige Saum iſt mit Blumen durchwirkt, fruchtbelaſtete Aeſte beugen ſich im Herbſte zur Erde, und der dankbare Boden nährt den flei⸗ ßigen Bebauer. Noch baut ſich der Landmann ſein ſolides räumliches Wohnhaus, und die innere Ein⸗ richtung zeigt von dem behaglichen Auskommen des Eigenthümers. Aber ein ſchneidender Luftzug durch⸗