Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

150

Hier wird jene Kunſt, die Erde auszubeuten, methodiſch gelehrt; denn hier befindet ſich die berühmte Berg⸗ akademie, welche von Scholaren aus aller Herren Ländern beſucht wird. Selbſt Spanier ſtudirten noch vor nicht langer Zeit hier. Nachdem für Spanien die Silberblicke Amerika's erloſchen waren, kein Herz und keine Silberader der neuen Welt mehr für die kaſtiliſchen Könige ſchlug und keine Silberflotte mehr einlief unter dem Donner der Karthaunen und dem Hurrah der Equipage in den Hafen von Kadix, ſah man eines Tages fremde ſüdliche Geſtalten mit ſtol⸗ zen Schritten und tiefkatholiſchen Geſichtern einher⸗ wandeln in den Straßen eines unſcheinbaren ſächſi⸗ ſchen Bergſtädtchens. Spanien wollte nämlich nach dem Verluſte beider Indien in den eigenen Buſen greifen und aus den Tiefen ſeiner Sierras die Gold⸗ und Silberquellen ſprudeln laſſen in nie geſehener Schöne. Ich weiß nun nicht, wie weit die Sache gediehen iſt, doch ſcheint mir, daß Freund Mendiza⸗ bal bei den karliſtiſchen Händeln die Freiberger Stu⸗ dien vor der Hand habe dahin geſtellt ſein laſſen, indem er es für gerathener fand, zuvor den ſchönen Hamſterbau der ſpaniſchen Klöſter bergmänniſch zu bearbeiten.

An der Freiberger Bergakademie lehrte noch vor wenig Decennien der große Bergmann Abraham Werner, der Linné der Unterwelt, und noch heute lebt und wirkt ein gefeierter deutſcher Name in der kleinen Bergſtadt der Oberberghauptmann Frei⸗ herr v. Herder, Sohn des Verfaſſers der Ideen zur Philoſophie der Geſchichte der Menſchheit.

Bevor ich die Bergſtadt, die nächſt ihrer Alter⸗ thümlichkeit wenig Bemerkenswerthes vorzeigt, ver⸗ laſſe, muß ich noch eines kleinen mufikaliſchen Mei⸗