Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

149

hohe Erzgebirge in den jetzigen warmen Sommerta⸗ gen auseinander ſetzte. Bedenke nur, riefer begeiſtert, heute noch ſitzen wir hier im reizenden, ſonnigen Elbthale, inmitten der glockenreichen König ſtadt, inmitten von ſüßen Me⸗ lodien, leuchtenden Roſen, und morgen ſchon hören wir die Urquellen rauſchen im hohen Gebirg, ſehen den einſamen Raubvogel über ſtarren Felſen kreiſen; Alles iſt todt und erſtorben

Das Glöcklein klingt, der Morgen graut,

Es wird im Bergmannshüttchen laut.

Ich laſſe nie gern eine Gelegenheit vorüber, wo es gilt, eine poetiſche Idee zu realiſiren. Es ſind ſolche Zeiten Silberblicke, und je reicher das Leben an ihnen, deſto reicher iſt das Leben ſelbſt zu nen⸗ nen. Meine Scrupel und Zweifel waren daher bald niedergeſchlagen und bereits am andern Morgen ſelb⸗ anderten wir frei und glicklich auf der Straße gen Freiberg dahin.

Das reizende Tharand iſt der letzte ſüdliche Stern der ſchönen Dresdner Umgegend. Darüber hinaus wird die Gegend waldſtiller, ernſter und höher. Je weiter wir vorwärts ſchreiten, deſto mehr Berge wälzen ſich zwiſchen uns und das zurückgebliebene Elb⸗ thal. Selbſt der Himmel verliert bald ſein erquik⸗ kendes Blau, dann noch einige Stunden Wegs, und hie und da ſteigt die einförmige Rauchſäule der Hüt⸗ tenwerke zu den Wolken. Wir ſind in das Reich des Plutus getreten. Das iſt aber ein eben ſo unlie⸗ benswürdiger Gott, wie ſein Herr Vater Vulkan. Aſch grau und Schwefelgelb brütet er wie der leibhaf⸗ tige Geiz über Silberhaufen.

Die Bergſtadt Freiberg, acht Stunden von Dres⸗ den, iſt ſo alt wie die äiteſten ſächſiſchen Spezies