Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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erſteigt und die Blicke über das weite ſchöne Elbthal dahinſtreifen, ſieht man den ſüdlichen Horizont auf ferne nebelhafte Berge herabſinken. Das ſind die blau⸗ grauen Wolken des Erzgebirges. Märchenhaft weht es aus jener Gebirgsgegend in das lachende Thal herüber, und das Erzgebirge allein genießt in der Phantaſie der Dresdner mehr Kredit, als der blü⸗ hendſte Märchenalmanach. Denn in jenen Gebirgen rauſchen geheimnißvoll die dunkeln Bergwaſſer in un⸗ ergründlichen, waldumnachteten Tiefen; da ſteigen in nächtlicher Stille die Silbereimer in die ſchwarzen Eingeweide der Erde, irren die Grubenlichter in zwei⸗ deutigem Nebel, und einſam nur klingt das Glöcklein der Hüttenwerke durch die todtſtille Gegend. Da blüht kein Frühling, lacht keine Roſe, da iſt der Gnomen und Erdgeiſter märchenhaftes Reich und die Armuth wohnt zwiſchen Silberhaufen. Die einzigen Silber⸗ blicke, die der Himmel den armen Gebirgsbewohnern verlieh, heißen Gottvertrauen und Zufriedenheit.

Der Gedanke an das kalte Erzgebirge an einem heißen Sommertage in Dresden wirkt ſo erquickend, wie das erfriſchenſte Glas Erdbeereis bei Baldini auf der Brühl ſchen Terraſſe.

Ich ſaß an einem ſchönen Sommerabende auf ge⸗ nanntem Vergnügungsorte; die untergehende Sonne, welche kaum eine Hand breit über den Rebenbergen der Lösnitz ſtand, warf ihren Roſaſchimmer verklä⸗ rend über das reizende Abendbild. Die Fenſter der Loſchwitzer Weinberghäuſer ſtrahlten in prachtvoller Erleuchtung, über mir dufteten die Lindenblüthen, das Muſikkorps ſpielte das ſüße Duett aus Jeſſonda: Laßt uns dorthin, dorthin ziehen ꝛe., als plötzlich ein poetiſcher Freund zu mir trat und mit demoſthe⸗ niſcher Beredtſamkeit mir die Reize eines Flugs durch's