Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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willkürlich durchklang mich das reizende Lied des herr⸗ lichen Hoffmann von Fallersleben, das er einſt in heiliger Stunde gewiß auf eben ſo ſchöne Augen ge⸗ dichtet hat:

Ich ſchaute die blaue unendliche See,

Da ward mir im Herzen ſo wohl und ſo weh, Doch als ich Dein blaues Auge geſehen Da, weiß ich ſelbſt nicht, wie mir geſchehen. Und ob ich die blaue unendliche See

Auch immer und immer wiederſeh';

Das Waſſer immer nur Waſſer bliebe

Dein Aug' iſt ewig unendliche Liebe.

Zur Erinnerung an jenen Abend aber bewahr ich eine der ſchönſten Locken Germaniens, welche mir Seraphine in ein goldgerändertes Stammbuchblatt gewickelt, plötzlich in die Hand drickte, als ich ſchwer⸗ muthvoll ob des bevorſtehenden Abſchiedes durch das geöffnete Fenſter nach den nächtlichen, duftenden Garten hinſchaute. O ſeliger Augenblick! Ich wollte ihr nacheilen, ihr dankend zu Füßen ſinken, aber ſie war bereits durch die Glasthür entſchlüpft. Ich klingte. Die Thüre war verſchloſſen und meine Blicke trafen nur noch die Himmelsgeſtalt im him⸗ melblauen Kleide, als ſie durch die zweite Thür ent⸗ ſchwebte.

Es war das letzte Mal. Ich habe ſie nie wieder geſehen, denn bereits am andern Tage rief ſie ein Brief an das Sterbebette ihrer weiten entfernten Tante, welche ſich die letzten Augenblicke durch das Anſchauen eines Engels verſüßen wollte. Von Tag zu Tag verſchob ſich meine Abreiſe; Seraphine kehrte nicht zurück. So mußte ich fort, ohne Gruß und Kuß von ihr das Vaterland verlaſſen.

Das Poſthorn klang. Fort brauſte der Wagen auf der Straße nach Frankreich. Auf meiner Bruſt